Leserbriefe : Druck auf liberale Geister

„Mohammeds Geliebte ist mir egal“

von Harald Martenstein vom 28. März

Die allermeisten Glossen von Harald Martenstein schätze ich. Die überraschenden Wechsel der Perspektive bringen zum Nachdenken oder sind mindestens für eine Anekdote gut, die einen manchmal laut auflachen lassen.

Am letzten Sonntag ist Martenstein aus meiner Sicht zu kurz gesprungen. Wie er sagt, werden die mehrheitlich als altertümlich angesehenen Moralvorstellungen des Islam die Bundesrepublik schon nicht zugrunde richten. Denke ich auch. Aber der von interessierter Seite innerhalb der islamischen Community auf liberalere Geister ausgeübte Druck ist mehr als ein Lacher. Er führt eben zu jener Missachtung von Grundrechten (auch unterhalb der Schwelle von Ehrenmorden und Zwangsehen), die Martenstein gewahrt wissen will. Der zitierte Artikel aus „Spiegel Online“ zeigt gerade, auf welche Weise und in welchem Maße zum Beispiel die gesetzlich vorgesehene Teilnahme an schulischen Veranstaltungen infrage gestellt wird. Die Heroes (junge Männer, die sich von der „Gewalt im Namen der Ehre“ abgewandt haben) waren auch bei uns in Kreuzberg an der Schule und haben einigen unserer jungen Menschen durch ihren Wechsel der Optik geholfen und Erleichterung gebracht.

Diese Wirkung hätten die jüdischen Atheisten aus Harald Martensteins Glosse bei den streng gläubigen Juden wohl kaum erzielt.

Eckehard Mewes,

Berlin-Charlottenburg

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