Leserbriefe : Echt Scheiße, ehrlich!

„Dem Volk aufs Maul geschaut / Die Mehrheit der Deutschen glaubt, dass unsere Sprache immer mehr verkommt“

von Dorothee Nolte vom 14. Juni

Ein bedeutsames Umfrageergebnis: Zwei Drittel der Deutschen sind der Auffassung, dass die deutsche Sprache „immer mehr zu verkommen“ droht, und etwa ebenso viele haben „Scheiße“ in ihren aktiven Wortschatz aufgenommen! Vor allem die zweite Feststellung überrascht nicht, handelt es sich doch offenbar um die Lieblingsvokabel der Deutschen, völlig hemmungslos und in jedwedem Zusammenhang auch in der Öffentlichkeit verwendet. Die Umfrage hat zwar die Häufigkeit des Gebrauchs von Ausdrücken der „Gossensprache“ nicht ermittelt, aber da hilft die eigene Empirie: Steigen Sie in die S-Bahn oder in den Bus und finden dort auch nur zwei miteinander kommunizierende Fahrgäste vor, dann – die Wette gilt! – wird dieses Wort, egal in welchem Stadtteil Sie unterwegs sind, vor der nächsten Haltestelle bereits laut und deutlich in Ihr unfreiwillig mithörendes Ohr gedrungen sein.

Dass diese Spitzenvokabel von Mitbürgern mit höherer Schulbildung überdurchschnittlich benutzt wird, erscheint mir allerdings fraglich. Abonniert darauf sind jedoch die Kommissare (nicht nur die männlichen) in sämtlichen Krimiserien insbesondere des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Auch dort können Sie (wie in der S-Bahn) den Zweiminutentest machen. Denn Autoren und Regisseure meinen offenkundig, dass ein Film umso realistischer wird, je gewöhnlicher das Sprachniveau ist – und am Fernsehen wiederum orientiert sich das breite Publikum. – Echt Scheiße, ehrlich!

Michael Jenne, Berlin-Wannsee

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