Leserbriefe : Ehrenrente als Verfolgte erhalten

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„Nachruf auf Margot Kippenberger“

vom 20. Januar 2006

Entweder ist schlecht recherchiert worden, oder aber es ist – vielleicht um des politischen Seitenhiebs willen – schlicht etwas unterschlagen worden. Solche Ost/West-Seitenhiebe aber sollte sich der Tagesspiegel 15 Jahre nach der Vereinigung unseres Landes verkneifen. Leider kann ja kein normaler Leser die Richtigkeit Ihrer „gags“ zu Lasten anderer prüfen und er muss glauben, was Sie so berichten – oder Ihren Berichten schlichtweg misstrauen …

Berichtet wird, dass Frau Kippenberger in der Zeit, in der sie in Ostberlin oder in der DDR wohnte, eine Ehrenrente erhielt – vermutlich die Ehrenrente für die „Opfer des Faschismus“ im östlichen Sprachgebrauch. Dem wird gegenübergestellt, ihr sei Ehrenrente von der Bundesrepublik trotz wiederholter Antragstellung verweigert worden. In „Berlin (West)“ hat sie aber alsbald nach ihrer Übersiedlung eine Rente nach dem Gesetz zugunsten „politisch, rassisch oder religiös Verfolgter“ erhalten – das westliche Pendant zu der östlichen „Ehrenrente“. Ich weiß, die Ehrenrente im Osten war im Nennwert meist höher und es gab bei einigen, die vor dem Ende der DDR aus dem Osten in den Westen gegangen waren, nach der Wiedervereinigung das Bedürfnis, diese östliche Ehrenrente 1:1 in DM wieder zu erhalten. Sie wollten also besser gestellt werden als alle anderen ständig in Berlin (West) lebenden Opfer. Das wurde aber in allen Gerichtsinstanzen abgelehnt.

Der von Ihnen erweckte Eindruck: im Osten gab es Ehrenrente und im Westen nichts ist schlichtweg falsch. Schade, denn der Nachruf ist sonst – wenn richtig recherchiert – eine sehr interessante Schicksalsschilderung.

Walter Sylten, Vorsitzender Arbeitsgemeinschaft der Vertretungen politisch, rassisch und religiös Verfolgter,

Berlin-Zehlendorf

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