Leserbriefe : Ein Augiasstall

Zur Maserati-Affäre bei der Treberhilfe

Eigentlich müßten wir Herrn Ehlert von der Treberhilfe dankbar sein. Durch Dummheit und Übermut (mir kann keener) hat er offengelegt, was viele ahnten, aber nicht beweisen konnten. Denn die freien Träger bereichern sich direkt und indirekt an öffentlichen Geldern. Und das ist bisher rechtens. Dieser Augiasstall von sogenannten sozialen Netzwerken und Projekten gehört ausgemistet.

Heinz Stempel, Berlin-Zehlendorf

Die Maserati-Affäre der Berliner Treberhilfe wirft bedauerlicherweise ein völlig falsches Bild auf die Wohlfahrtspflege in Berlin. Dieser Fall ist eine absolute Ausnahme. Ich arbeite nun seit fast 20 Jahren in der Berliner Wohnungslosenhilfe und habe verschiedene soziale Träger und Arbeitsebenen kennengelernt. Fakt ist, dass die Kontrollverfahren seitens der zuständigen Senatsverwaltungen, Bezirksämter und auch der Finanzämter hinreichend genutzt werden. Jeder gemeinnützige soziale Träger muss jedes Jahr eine Vielzahl von Verwendungnachweisen, Jahresberichten und Tätigkeitdokumentationen vorlegen. Die Landeshaushaltsordnung sieht hier sehr strenge Verfahren vor. Unsere Sozialarbeiter, Projektleiter bis hin zur Geschäftsführung müssen sich für jeden nicht korrekt gekennzeichneten oder zugeordneten Kassenbon rechtfertigen.

Im Bereich der sogenannten Entgeltfinanzierung hat sich der Gesetzgeber in den 90er Jahren dazu entschieden, dass die sozialen Träger verstärkt in Konkurrenz zueinander agieren sollen. Natürlich sind auch soziale Träger immer wieder von Stellenabbau und Insolvenz bedroht. Hierbei muss jedem sozialen Träger auch die Möglichkeit gegeben werden, Rücklagen für Investitionen, Einnahmeausfälle oder unvorhergesehene Ausgaben zu bilden. In diesem Wettbewerb gibt es erfolgreiche und weniger erfolgreiche Modelle.

Die Berliner Treberhilfe hat hier in den letzten Jahren erfolgreich expandiert. Das rechtfertigt natürlich nicht die Art von Mittelverwendung, die in diesen Tagen öffentlich gemacht wurde. Dieser Skandal spiegelt aber nicht die Situation in der Wohlfahrtspflege oder gar in der Diakonie wieder. Diese Affäre ist für die vielen kleinen und größeren sozialen Organisationen ein absolutes Ärgernis und verursacht großen Schaden, was Ansehen und Image betrifft. Die große Mehrheit der sozialen, gemeinnützigen Träger in Berlin verhält sich ungemein korrekt, kämpft täglich in eher bescheidenen Verhältnissen um die Existenzsicherung und das Wohl derer, die in unserer Gesellschaft benachteiligt und ausgegrenzt sind. Das sollte bei all dem Ärger aktuell nicht aus dem Blickfeld geraten!

Robert Veltmann; Berlin-Lichtenrade

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