Leserbriefe : Ein Ende ist nicht abzusehen

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„16-jähriges Mädchen von vier Mitschülern vergewaltigt“ vom 13. Mai 2006

Da wird ein Mädchen auf dem Heimweg von der Schule von vier anderen Schülern dieser Schule vergewaltigt, die Bilder dieser Tat kursieren in der Schule, und der Direktor betont, dass die Tat außerhalb der Schule geschehen sei und es keinerlei Verbindungen zu seiner Schule gebe. Was soll man zu so einem Pädagogen noch sagen? Mir fällt nichts ein.

Volker Schewitz,

Berlin-Charlottenburg

Voller Entsetzen habe ich Ihren Artikel über die Vergewaltigung einer 16-jährigen Schülerin gelesen. Als Vater zweier Töchter und als normal empfindender Mensch gilt mein volles Mitgefühl dem Opfer und seiner Familie. Über die menschliche Verrohung unserer Gesellschaft wurde schon viel geschrieben, und dem ist kaum etwas hinzu zufügen.

Was mich bei Ihrem Artikel zudem tief erschüttert hat, ist die Haltung des Schulleiters der Poelchau-Oberschule. Wie kann dieser sich nach einer solchen Tat an die Öffentlichkeit wenden und betonen, „dass die Tat außerhalb der Schule geschehen sei und es keinerlei Verbindung zur Schule gebe“. Hört die Verantwortung einer Schule für ihre Schüler genau an der Schultür auf? Statt Mitgefühl zu zeigen wird, zum Schutz des Rufes der Schule, alle Verantwortung abgeschoben und das Opfer erneut verhöhnt und gedemütigt. Wenn solche „Pädagogen“ Schulleiter sind brauchen wir uns über gar nichts mehr wundern.

Reinhard Biging,

Berlin-Schöneberg

Sie schreiben, dass die Polizei durch ihr konsequentes Auftreten an der Schule bei der Festnahme der vier Jugendlichen ein Zeichen setzen wollte. Das Zeichen wurde nach der Vernehmung der Jugendlichen gesetzt, indem man diese wieder nach Hause entließ. Das bedeutet nämlich: Seht her, in diesem Staat können wir machen was wir wollen, es passiert uns nichts. Nicht einmal die Unterbringung in einem geschlossenen Heim ist in Erwägung gezogen worden, und so haben diese Jugendlichen erneut die Chance, straffällig zu werden. Sie werden sie sehr wahrscheinlich nutzen. Und immer wieder stellt sich folgende Frage: Warum werden bei minderjährigen Straffälligen nicht radikal die Eltern in Haftung genommen, die doch laut Grundgesetz für die Erziehung ihrer Kinder zuständig sind.

Joachim Grewe, Berlin-Hellersdorf

Die Täter wurden mit großem Polizeigetöse festgenommen. Am Abend desselben Tages waren sie wieder frei! Ist das Demokratie? Oder ist das Dummheit, Schwäche, Hilflosigkeit oder gar Beihilfe zur nächsten Vergewaltigung ?

Dr. Olaf Loge, Berlin-Heiligensee

Mit Entsetzen habe ich Ihren Bericht gelesen; wie weit ist unsere Gesellschaft schon abgerutscht! Wo sind die Werte geblieben? Oder akzeptiert unsere Gesellschaft schon solche Verbrechen? Man kann nur hoffen, dass die Justiz diese Verbrechen nicht wieder mal als Jugendsünden sieht und entsprechende Strafen verhängt. Herr Körting hat Abschiebungen bei Gewalttätern angedroht, ich bin gespannt ob er sie auch in diesem Fall durchsetzen wird. Dass die Täter offen in der Schule verhaftet wurden, zeigt eine neue Qualität der Polizei. Zu hoffen bleibt, dass dies nicht vor dem Gericht als menschenunwürdige Handlung angesehen wird.

Günter Kneiding, Berlin-Steglitz

Im Moment kommt es knüppeldick: Schläge, Erpressung, Polizeischutz für Schulen, Vergewaltigung auf dem Nachhauseweg – ein Ende ist nicht abzusehen. Und doch: Irgendwie beschleicht einen der Verdacht, dass wir uns auch daran gewöhnen werden. Man gaukelt uns vor, dass, hätten die jugendlichen Gewalttäter erst einmal Aussicht auf Ausbildung und festes Einkommen, sie quasi von selbst auf den rechten Weg zurückfänden.

Wie naiv muss man sein, um solchen Träumen nachzuhängen? Man möchte diesen Schwärmern das Büchnerwort zurufen: „Geht einmal euren Phrasen nach bis zu dem Punkt, wo sie sich verwirklichen. Schaut um euch. All das habt ihr gesagt.“

Christoph Hellge, Berlin-Friedenau

Warum nutzen Verwaltung und Justiz einfach nicht die rechtlichen Möglichkeiten, um auf Gewalttätigkeiten zu reagieren? Was in manchen Köpfen so vorgeht, scheint mitunter oft kaum nachvollziehbar zu sein.

Reinhard Moegelin,

Berlin-Hermsdorf

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