Leserbriefe : Ein enger Freund der Feiningers

„Den Harz im Herzen“ vom 16. Mai

Der sonst sehr interessante Artikel zeichnet von meinem Vater, Dr. jur. Hermann Klumpp, ein schiefes Bild. Mein Vater ging nach Jurastudium als 27-jähriger an das Bauhaus in Dessau. Er hat dort bei Mies van der Rohe ein Architekturdiplom erworben und im Zusammenhang mit einer Veröffentlichung über die Abstraktion in der Malerei Kontakt zum Ehepaar Feininger bekommen. Es entwickelte sich eine enge Freundschaft. Mit Beginn der Macht der Nationalsozialisten waren die Bauhäusler zunehmender Bedrängnis ausgesetzt. Mein Vater nutzte den Umstand, dass auf dem Grundstück seiner Eltern ein Wäschereibetrieb in Konkurs gegangen war und ging diesem ihm fremden, aber politisch unverdächtigen Geschäft nach. In den Folgejahren stand er dem Ehepaar Feininger zur Seite. Als die Emigration unausweichlich wurde, war er Feiningers Vertrauter, der die erforderlichen Absprachen mit einer Berliner Spediteurfirma führte. Der Briefwechsel bestätigt, daß er diese Aufgabe gewissenhaft erfüllte. Eine Verwahrung, so wie sie nach dem Tode von Julia F. unterstellt wurde, läßt sich aus dem Briefwechsel nicht erkennen. Als nach dem Krieg wieder Briefkontakt mit Feiningers möglich war, hatte mein Vater gebeten, klare Regelungen für „später“ zu treffen. Julia Feininger schrieb am 6.8.1948: „…auf keinen Fall würden wir alle Bilder haben wollen.“… „Jedenfalls lege ich hier die Liste der Bilder bei, die eventuell für uns zurückzuhaben, in Frage kämen." Randanmerkung: „Du siehst, wie wenige es sind.“ (Anlage: Liste mit 8 Ölbildern). Nach dem Tod von Julia Feininger 1970 forderte der Testamentvollstrecker die Herausgabe aller Ölbilder 1974 vor dem Bezirksgericht in Halle. Ein Testament wurde allerdings nie vorgelegt. Nach Aussage der Tochter aus erster Ehe, Lore Feininger, kamen die Quedlinburger Bilder in dem Testament nicht vor.

Dr. Christoph Klumpp,

Panketal/Zepernick

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