Leserbriefe : Ein monomanischer Akt

Zur Finanzaffäre des DIW

Es ist notwendig, die vom Berliner Rechnungshof aufgedeckte Politik verschwenderischer Machtausdehnung (Washingtoner Dependance und überflüssiger Instituts-Umzug), die DIW-Präsident Zimmermann zu verantworten hat, in einem größeren Schuldzusammenhang zu sehen: Dieser nahm bereits vor 5 Jahren seinen Anfang, kurz nach dem Amtsantritt des herrschsüchtigen Ökonomen. Er begann mit einer Leiche in seinem institutionellen Keller: mit dem Hinauswurf des leitenden Konjunkturpolitikers Dr. Gustav A. Horn, nichtachtend den Appell von 28 Ökonomieprofessoren, die auf die hohe Qualifikation Horns hingewiesen hatten. Den Grund hat der Vorgänger Zimmermanns, Prof. Lutz Hofmann, im „Tagesspiegel“ beim Namen genannt: Zimmermann hatte die – inzwischen verwirklichte – Absicht, das DIW in Richtung neoklassischer Theorie „zu drehen“ – weg von dem zuvor „von Hofmann gepflegten keynesianischen Ansatz“. Die nicht nur ideologische, sondern auch institutionelle Hinwendung zum Zentrum der weltweiten ökonomischen Macht, bis hin zur Gründung einer Dependance des DIW in Washington , forschungspolitisch überflüssig, wird plausibel nur als monomanischer Akt weltweiter Selbstbehauptung. Diesem Zug zu einer repräsentativen Nähe zur politischen Macht entspricht auch der verschwenderische Umzug: als wenn diese Nähe in relevanter Weise von der Mohrenstraße aus bedeutender wäre als von der Dahlemer Königin Luise-Straße. Nur: Die neue Immobilie wirkt bei weitem pompöser und „herrschaftlicher“. Ihr Stil paßt zu den gesetzwidrigen Eigenmächtigkeiten im Handeln Zimmermanns, die der Rechnungshof. moniert. Als Wissenschaftler aber erachte ich als das eigentlich Skandalöse im Handeln Zimmermanns seine selbstherrliche Zerstörung der wirtschaftspolitisch bedeutsamen ökonomischen Beratungsposition des DIW, die im Kreis der deutschen Wirtschaftsinstitute ohnehin unzureichend vertreten ist: der keynesianischen, nachfrageorientierten Sicht auf die Ökonomie. Wenn diese in Deutschland unbeachtet bleibt, so kann man die Hoffnung begraben, dass hier noch so etwas wie ein ausgewogener „Rat der Wirtschaftsweisen“ in Gemeinschaftsgutachten zu finden sein wird. Dies in einer Zeit, wo in Washington die Denkrichtung vom allherrschenden Neoliberalismus ab- und der „nachfrageorientierten Sicht auf die Ökonomie“ näherrückt.

Prof. Dr. Fritz Vilmar, Institut für

Politikwissenschaft der FU Berlin

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