Leserbriefe : Ein Tabu unter Lehrern

„Erschummelte Erfolge“ vom 19. Oktober

Mit der Frage der Verlässlichkeit von Vergleichstests sprechen Sie ein aktuelles Thema an, das über den Bereich der Migranten weit hinausgeht. Es ist nämlich nicht nur eine Frage von Klassenstrukturen etc. Ehrlich durchgeführte Vergleichstests legen auch die Qualitätsunterschiede zwischen Lehrern und Lehrmethoden gnadenlos offen.

Nichts aber ist zwischen den Lehrern mit einem größeren Tabu belegt.

Das gilt besonders in der traditionell leistungsabgewandten Kultur an zahlreichen Berliner Schulen. Ich gehe davon aus, dass schwache Lehrer in großer Versuchung sind, auf die Ergebnisse ihrer Klassen Einfluss zu nehmen, etwa durch unzulässiges vorheriges Üben oder Nichtbeachtung der Zeitvorgaben.

Dies wird sich erst dann ändern, wenn es grundsätzlich unterbunden wird, dass die Lehrer die Tests in ihren eigenen Klassen durchführen und selber auswerten. Solch eine Änderung gehört zu den Reformen, die unangenehm sind, aber deren Durchführung jedenfalls kein Geld kosten würde. Zudem gäbe es einen erheblichen Erkenntnisgewinn und stark veränderte Anreizstrukturen für die Lehrer.

Denen, die gut sind, wird damit Prestige zuwachsen, die anderen dagegen werden sich mehr um eine adäquate Leistung bemühen müssen. Im Augenblick werden doch die erheblichen Qualitätsunterschiede zwischen Lehrern einfach unter den Teppich gekehrt.

Thilo Sarrazin, Berlin-Mitte

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