Leserbriefe : Ein wenig Berliner Geschichte

-

„Vor der Zerreißprobe“

vom 22. Februar 2006

Der Autor schreibt über die Auseinandersetzungen in der Jüdischen Gemeinde in Berlin über den ehemaligen Vorsitzenden des Gemeindeparlaments Julius Schoeps: „Zudem steht er als Nachfahre der berühmten Mendelssohn-Familie, einer der ältesten jüdischen Familien in Berlin, für eine lange Tradition. Die Familie ist seit 250 Jahren Teil der jüdischen Gemeinde.“ Es ist zwar richtig, dass Herr Schoeps weitläufig mit der Linie Mendelssohn-Bartholdy verwandt ist, die Aussage, die Familie sei seit 250 Jahren Teil der jüdischen Gemeinde gewesen, ist jedoch nicht haltbar. Abraham Mendelssohn, Sohn von Moses Mendelssohn und Vater von Felix Mendelssohn-Bartholdy, und seine Frau Lea ließen sich bereits 1822 evangelisch taufen und nahmen den Namen Bartholdy an. Abraham wurde damit der Begründer der Linie Mendelssohn-Bartholdy. Abrahams älterer Bruder Joseph und dessen Sohn Alexander ließen sich dagegen nicht taufen. Erst Alexanders Kinder wurden ausnahmslos getauft. Damit gehört auch diese Mendelssohn-Linie seit den 1820er Jahren nicht mehr der jüdischen Religionsgemeinschaft an. Gewiss waren sich die Mendelssohns auch in den späteren Generationen ihrer jüdischen Herkunft bewusst und blieben der jüdischen Gemeinde in mancher Hinsicht, so über die „Gesellschaft der Freunde“, verbunden, aber als Getaufte waren sie seit dem frühen 19. Jahrhundert mit Sicherheit nicht mehr Teil der jüdischen Gemeinde. Entsprechend befinden sich ihre Gräber auch nicht auf einem der jüdischen Friedhöfe.

Ich lege auf diese Feststellungen Wert, weil es den historischen Tatsachen widerspricht und ich es für unredlich halte, den Namen meiner Familie für die Auseinandersetzungen innerhalb der jüdischen Gemeinde zu instrumentalisieren.

Angelika von Mendelssohn-Siebeck, Berlin-Wilmersdorf

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben