Leserbriefe : Eine Frage der Ansprüche

„Rechnen mit jedem Cent – Trotz Arbeit in der Armutsfalle: Nora Gentner und ihre Töchter kommen nur mit Hartz IV über die Runden“ vom 21. August

Frau Gentner lebt mit ihrer Familie von Hartz IV, weil sie sich dafür entschieden hat. Sie will Theaterprojekte mit Kindern machen und unterrichten. Ein schlechtes Honorar nimmt sie dafür in Kauf - auch, dass ihre Tochter deswegen nicht jobben kann. Aber dann jammern! Das finde ich nicht in Ordnung. Ich selbst bin froh und glücklich, in meiner derzeitigen Situation - ich wurde ebenfalls in einem ähnlichen Bereich schlecht bezahlt, bin jetzt arbeitslos (Hartz IV), verdiene so viel erlaubt ist dazu und orientiere mich beruflich um. Es ist tatsächlich wenig. Aber dann muss man sich halt etwas reinhängen, um einen besseren Job zu bekommen!

Frau Gentner sollte froh mit dem sein, was ihre Familie vom Staat bekommt. Wenn sie mehr als Hartz IV will, muss sie halt die Konsequenzen ziehen und sich nach etwas anderem umschauen. Sie hat ja nicht umsonst studiert, da kann sie doch was draus machen. Aber Jammern ist meiner Meinung nach die schlechteste Alternative.

Vera Bruhns, Berlin-Mitte

Statt den Staat auf Ihrem egoistischen Selbstverwirklichungs-Trip nach allen Regeln der Kunst zu bescheißen und freiberuflich im Theater rumzuhopsen, sollte Frau Pädagogin – als Akademikerin ohnehin privilegiert – lieber malochen gehen, um sich und ihre Kinder vielleicht auch ohne ergaunerte Drittmittel durchzubringen.

Elke und Christian Groth,

Berlin-Grünau

Ich staune immer wieder, was für eine unerträgliche Anspruchshaltung manche Hartz-IV-Empfänger (und speziell solche, die ihre Situation selbst herbeigeführt haben) an den Tag legen. Da sollten es natürlich Lebensmittel aus dem Bioladen sein, die nun - leider, leider! - nicht mehr drin sind, während Tomaten von der kostenlosen Essensausgabe den Ansprüchen der werten Dame nicht genügen. Was bitte schön ist schlecht daran? Wir sind keine Hartz-IV-Empfänger, dennoch kaufen wir unsere Lebensmittel im Supermarkt um die Ecke. Dort sind Obst und Gemüse preiswert und schmackhaft und mir kann niemand erzählen, dass man sich das nicht leisten kann. Ich finde, wer sich schon seinen Lebensunterhalt von der Solidargemeinschaft bezahlen lässt, sollte wenigstens dankbar und bescheiden und mit dem zufrieden sein, was er bekommt. In vielen Ländern der Welt gibt es Menschen, die wirklich hungern müssen!

Bärbel Romahn, Berlin-Wittenau.

Nora Gentner hat selbst entschieden, sich als Theaterpädagogin selbstständig zu machen. Für die finanziellen Konsequenzen ist sie allein verantwortlich, zumal sie vorher Angestellte war und dies offensichtlich auch noch sein könnte.

Warum soll die Gesellschaft noch mehr Geld für sie ausgeben? Warum schätzt sie nicht die empfangene Leistung, für die schließlich andere arbeiten und Steuern zahlen müssen? Warum ist sie nicht zufrieden darüber, dass sie eine 90-Quadratmeter-Wohnung, ordentlich zu essen und eine Krankenversicherung hat? Dass sie geringe Einnahmen hat, hat nicht die Gesellschaft verursacht.

Michael Wehran, Berlin-Weißensee

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