Leserbriefe : Eine große Leistung der Bevölkerung

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„Polen muss aus der Opferecke“

vom 2. September 2006

Mir fällt auf, dass Frau Steinbach und ihr Verband ihre Forderungen immer noch im Namen einer Volksgruppe stellen, die ihre Identität außerhalb der Deutschen definieren, die nach all den Schrecken von Flucht und Vertreibung also keine mentale Kraft für das „Ankommen“ haben. Wir sind also, wie man uns deutlich macht, keine Heimat für sie. Und die diskutierende Öffentlichkeit macht das mit. Wäre es nicht angebracht, dass Frau Steinbach auch einmal ein Wort des Dankes für die Solidarität der Deutschen findet, die die BdV-Mitglieder aufgenommen haben?

Sicher gab es da auch Irritationen und Unfreundlichkeiten, aber im Wesentlichen doch eine große Leistung des Zusammenrückens und der Integration. Und hier meine ich nicht die Politik, die die Vertriebenen instrumentalisiert hat, sondern die Deutschen in den Städten und Dörfern, ohne deren Scheunen und Speisekammern und Arbeitsmöglichkeiten die Vertriebenen wohl wirklich heimatlos wären.

Alexander Longolius,

Berlin-Kladow

„Das brave Polen war einmal“

vom 5. September 2006

Es gibt keinen Eifer gegen polnische Nationalkonservative, wie ihn Herr Ziemnicki darzustellen versucht. Erst recht keine Aggressivität in der deutschen Presse. Wer der Auffassung ist, das polternde rücksichtslose Auftreten der Herren Kaczynski und anderer Nationalkonservativer sei Ausdruck eines neuen polnischen Selbstbewusstseins, verwechselt dies offenkundig mit schlechtem Benehmen.

Wer Homosexuelle diskriminiert, wer die Wiedereinführung der Todesstrafe ernsthaft erwägt, wer der Auffassung ist, ein satirischer Artikel in der „Tageszeitung“ gäbe Anlass, die Verfasser in Polen strafrechtlich zu verfolgen und darüber hinaus einen politischen Gipfel in Weimar abzusagen, zeigt, wes Geistes Kind er in Wirklichkeit ist. Die von den polnischen Nationalkonservativen vertretenen Werte und Auffassungen passen nicht in das liberale, pluralistische, weltoffene Europa des 21. Jahrhunderts. Das ist das eigentliche Problem. Die angebliche Besorgnis der Herren Kaczynski über einen revanchistischen und geschichtsrevisionistischen Kurs deutscher Politik ist geheuchelt, sie soll lediglich einen pathologischen Hass auf alles Deutsche kaschieren. Das wirkliche Verhältnis zwischen Deutschen und Polen ist um ein Vielfaches besser und entspannter als es die polnische Politik suggeriert. Darüber bin ich sehr froh.

Christoph Conrad,

Berlin-Lichterfelde

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