Leserbriefe : Eine Win-Win-Situation schaffen

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„Was macht die Welt?“

vom 9. Oktober 2006

Die Türkei war in den vergangenen Jahrzehnten ein sehr zuverlässiger Partner der Nato respektive des Westens. Aktuell engagieren sich türkische Soldaten bei Friedenseinsätzen vom Balkan bis Afghanistan und auch im Libanon. Im Atomstreit mit dem Iran ist der Westen auf die besonderen Kontakte Ankaras angewiesen und muss sie nutzen. Die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden. Herr Joffe redet von Partnerschaft. Zu einer Partnerschaft gehört aber auch, dass man die Entscheidungen eines souveränen Parlaments (wie bei der Ablehnung des amerikanischen Irakeinmarsches durch das türkische Parlament) respektiert. Im Übrigen war die damalige deutsche Regierung ebenfalls gegen den Irakkrieg. Ist Deutschland deshalb nun auch „unzuverlässiger“ und „undankbarer“ Partner des Westens? Partnerschaft bedeutet nicht, gehorsam zu sein!

„Die Türkei erst assoziieren, dann irgendwann integrieren.“ Was soll die Botschaft dieses Satzes? Die Türkei erst wirtschaftlich und strategisch „ausnutzen“ und danach schauen wir mal? Kann man auf diesem Niveau auf internationaler Ebene Verhandlungen führen? Viele Gegner des Türkei-EU-Beitritts wissen sehr wohl, dass die Türkei kurzfristig zu den 20 stärksten Volkswirtschaften der Welt gehören wird. Dazu sind inzwischen mehr als 2000 deutsche Unternehmen dort tätig. Ich rate den „vermeintlichen“ Gegnern eines Türkei-EU-Beitritts, sich endlich zu besinnen und fair gegenüber der Türkei zu sein. Wenn zwei Parteien verhandeln, werden sie naturgemäß ihre Forderungen stellen. Wichtig ist dabei, dass es nach den Verhandlungen zu einer Win-Win-Situation kommt – und zwar für die EU und die Türkei!

Senol Zorlu, Berlin-Schöneberg

Wir alle müssen der Türkei dankbar sein, weil sie in Zeiten des Kalten Krieges zuverlässig zu ihren Verpflichtungen im Rahmen der Nato gestanden hat. Für eine Unterstützung von George W. Bushs unseligem Irakkrieg bestand weder eine vertragliche noch eine moralische Verpflichtung. Das Europa, das ich mir wünsche, hat Mitglieder, die genauso handeln, wie „Ankara“ oder Gerhard Schröder es getan haben.

Dr. Inka Leo-Roßberg, Berlin-Lankwitz

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