Leserbriefe : Einfach mal bitte oder danke sagen

„Geist ist ungeil / Schlechtes Benehmen und moralfreie Grobschlächtigkeit: Kante statt Kant in der Mitte der Gesellschaft von Michael Jürgs vom 2. August

Die Unterzeile „Kante statt Kant in der Mitte der Gesellschaft“ ist der zentrale Anker. Und es ist auch kein Wunder, dass es sich so verhält. Solange wir deutlich weniger Kantstraßen als Karl-Marx-Straßen haben, brauchen wir uns auch nicht über die Folgen im allgemeinen Bewusstsein beschweren, oder?

Bernhard Jene, Berlin-Neukölln

Ich kann Ihrem Artikel nur zustimmen – aber Herr Jürgs, Sie gehören einer Medienkaste an , die es in der Hand hatte und hat, das blöde Volk positiv zu beeinflussen. Doch was passiert – seit Ekel Alfred – Hausmeister Krause – Deutschland sucht den Superstar? Man hält dem Volk den Spiegel vor, und anstatt dies blöde Volk zur Selbsterkenntnis und damit zur Besserung kommt, sonnt es sich in seinen Kalauern und Witzen und nennt es Comedy. Nichts anderes geschieht schon seit der Erfindung des Fernsehens. Und warum? Man weiss es doch schon seit 2000 Jahren, es nützt der arme Idiot, der blöd gehalten wird, der klugen Kaste mehr, als der kritische Mensch.

Renate Quente, Berlin-Lichtenrade

Ich habe diesen Artikel mit großem Vergnügen gelesen. Teils bösartig, teils amüsant, aber immer treffsicher, hält der Verfasser der Gesellschaft den Spiegel vor. So mancher würde sich wieder erkennen, wenn er denn willens wäre, in ihn hineinzuschauen. Rücksichtnahme, bitte, danke sagen – alles uncool. Als Mensch von 60 plus will ich mich nicht mehr der heutigen Lebensweise anpassen. Ich versuche es einfach mal mit einem Lächeln.

Evelyn Düwel, Berlin-Lankwitz

Der Beitrag trifft den desolaten Zustand in Deutschland in allen Punkten. Für mich ist das auch ein Resultat der mangelnden Bildung sowie der falsch verstandenen Liberalität in der Erziehung. Ich bin der Meinung, dass die „68iger“ mit ihren Anschauungen einen nicht geringen Teil dazu beigetragen haben.

Birgit Sander, Berlin-Prenzlauer Berg

Ich kann dem Artikel nur zustimmen. Selbst erlebe ich die beschriebenen Arten der Verhaltensformen täglich und empfinde bisweilen Fassungslosigkeit. Was wir benötigen ist sicher eine Initiative für gutes Benehmen und Hygiene. Aber auch eine Initiative für das Wissen und die Kultur – übergreifend der Gesellschaftsschichten. Aber aus einer Vermehrung der unkultivierten Fälle eine politische Radikalisierung, durch die Stimmabgabe zur Wahl, abzuleiten – als Folge oder Ursache, halte ich doch für sehr weit hergeholt.

Dr. Nikolaus Andre,

Berlin-Lichterfelde

Dem Eindruck Ihres Autors kann ich aus eigener Erfahrung nur zustimmen: An der allgemeinen Rücksichtslosigkeit im öffentlichen Raum beteiligen sich längst auch diejenigen, von denen man eigentlich „gute Manieren“ erwarten sollte: Gebildete, Besserverdiener und sogenannte Gutmenschen.

Letztere, die sich verbal gegen Diskriminierung und Ausländerfeindlichkeit wenden, die auf ökologische Lebensführung und biologische Ernährung Wert legen und ihre Kinder in Waldorf-Kindergärten und Montessori-Schulen bringen, fallen besonders häufig durch rücksichtsloses Verhalten auf. Da versperren Buggies, Kinderwägen oder Fahrradanhänger eben Hauseingänge, Bürgersteige oder Ladentüren und nur widerwillig und auf Bitten hin wird einem mit Einkaufstüten beladenen „Normalo“ ein enger Durchlass gewährt. Schließlich hat man – bzw. Frau! – ja wichtige Gespräche zu führen und außerdem als Gutmensch und fleißiger Steuerzahler das Recht, mehr öffentlichen Raum für sich zu beanspruchen als die übrige Bevölkerung. So klaffen Anspruch an andere und eigenes Verhalten dann oft weit auseinander.

Klaus Betz, Berlin-Charlottenburg

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