Leserbriefe : Einwanderer sind willkommen

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„Bloß nicht über Sanktionen reden“

vom 12. Februar 2006

Die Äußerung von Herrn Mutlu, wir brauchen eine Willkommenskultur für Einwanderer, macht deutlich, dass er ohne fundierte Sachkenntnis spaltende Sätze äußert. Es gibt in dieser Stadt bei der einheimischen Bevölkerung eine breite Willkommenskultur. An meiner Hauptschule werden fast täglich sog. spät eingereiste Jugendliche (Alter ca. 14 Jahre) aufgenommen. Durch spezielle schulische Förderung erreichen ca. 70 Prozent dieser Jugendlichen einen qualifizierten Schulabschluss. Häufig sind sie in unserer Schule dieLeistungsträger, nachdem sie in kürzester Zeit die deutsche Sprache erlernt haben. Dieses Bild findet man auch an anderen Schulen in Berlin. Nicht so ausgeprägt ist allerdings die Willkommenskultur bei arabischen und türkischen Jugendlichen gegenüber Menschen anderer Herkunft in dieser Stadt. Abgesehen von der Tatsache, dass es in Berlin Wohngegenden gibt, in denen Deutsche oder andere Nationalitäten nicht mehr gern gesehen sind, musste ich erleben, wie türkische und arabische Jugendliche meiner Schule Hass gegenüber jüdischen Schülern ausdrückten. Herr Mutlu sollte seine Kraft dazu nutzen, einen Teil seiner Landsleute dazu zu bringen, das Willkommen gegenüber Andersdenkenden, anderen Religionen und anderen Kulturen zu entwickeln. Das wäre der erste Schritt zu einer friedlichen, multikulturellen, durch Respekt und gegenseitige Achtung geprägten Stadt. Als der Vorfall mit den Schülern der Jüdischen Schule durch die Presse ging, habe ich keine Empörung von Herrn Mutlu gehört. Er hat seine Landsleute nicht zur Ordnung gerufen, er hat sich auch nicht mit unserer Schule in Verbindung gesetzt, um die Chance zu nutzen, mit diesen Schülern ein Gespräch zu führen. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass Herr Mutlu sich ehrlich bemüht hat, die Willkommenskultur, die in vielen Bereichen unserer Gesellschaft vorhanden ist, wirklich wahrzunehmen.

Ich lade ihn gern in meine Schule ein, damit er erlebt, wie intensiv und gern wir mit Kindern aus fremden Kulturen arbeiten, aber auch, um über die Ressentiments, die türkische und arabische Jugendliche ausdrücken, mehr zu erfahren.

Dieter Hohn, Schulleiter Pommern-Schule, Berlin-Charlottenburg

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