Leserbriefe : Endlich herrscht Ruhe am Himmel

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„Der verbotene Himmel“ vom 31. Juli 2005 und „Bei den Flugfirmen ist jetzt die Luft raus“ vom 1. August 2005

Herr Schwarze von HelicopterTours Falkensee hat Recht: Die Anflugzeit vom S-Bahnring bis zum Zentrum ist viel zu kurz für wirksame Gegenmaßnahmen. Ein Flugverbot macht nur Sinn, wenn es in einem Umkreis von mindestens 20 Kilometern gilt. Das hätte den erfreulichen Nebeneffekt: Die vom Verkehrslärm geplagten Berliner würden nicht weiter von dem ständigen Dröhnen von oben malträtiert. Als ob der Lärm der Stadtautobahn nicht schon reichte, wird da sogar völlig überflüssigerweise von Privatsendern auch noch aus der Luft dichtes Wohngebiet bedröhnt, um Staus zu melden. Lärmschutz, darüber redet man schon lange, dient der Krankheitsvorbeugung. So eine Beruhigung des Himmels kostet nichts, bringt aber den Menschen ein Mehr an Lebensqualität.

Horst Stark, Berlin-Wilmersdorf

Als Mitarbeiter des Verkehrswarndienstes der Berliner Polizei ist es mir absolut unverständlich, wie ohne Rücksicht auf Verluste „Sicherheit“ produziert wird. Ohne lange Wege konnten wir im morgendlichen Berufsverkehr allen angeschlossenen Medien schnelle und zuverlässige Verkehrsinformationen liefern. Auch oder gerade weil die (privaten) Verkehrsflieger entgeldlos wichtige Feststellungen direkt an uns weitergaben. Selbstlos! Denn alle, die kein „fliegendes Auge“ zur Verfügung haben, profitierten auch davon. Auch die Rettungs- und Sicherheitsdienste, die bei Einsatzfahrten eben nicht in die frühzeitig gemeldeten Staus fuhren und die dadurch möglicherweise lebensrettende Sekunden gewannen.

Oder Organtransporte, die dringend bei Operationen erwartet wurden und dank unserer Technik von ihren Navigationsgeräten bisher an Unfällen und Staus vorbeigeleitet werden konnten.

Klaus Wolf, Polizeihauptmeister im Verkehrswarndienst der Polizei Berlin

Drei Minister, die zumindest von Flugsicherung, Fliegerei und Luftabwehr keine Ahnung haben, spielen ein bisschen Polizeistaat. Was herauskommt, bringt keinen Nutzen und vernichtet vielleicht ein paar hundert Arbeitsplätze im Flugtourismusgewerbe. Da sich in den letzten Tagen viele selbst ernannte Experten zu Wort gemeldet haben, auch von mir ein paar Anmerkungen. Immerhin war ich um 1980 im Divisionsgefechtsstand Cölpin der DDR-Luftwaffe als Funker tätig. Von dem Atombunker bei Neubrandenburg wurde der Luftraum der ganzen DDR nördlich von Berlin gesichert. Der Aufwand war riesig: über 20 Radarstationen, dazu noch einmal eine ähnliche Zahl an Flugabwehrraketenstellungen. Die waren ebenso wie unser Bunker rund um die Uhr besetzt. Dazu kamen auf mehreren Flugplätzen jeweils zwei vorgewärmte Mig-Abfangjäger mit je zwei in Bereitschaft sitzenden Piloten. Aber auch die hätten keinen Piloten daran hindern können, zum Beispiel den Anflug auf Schönefeld abzubrechen und seinen Jet mitsamt Passagieren in Mielkes Stasiministerium an der Normannenstraße zu steuern.

Ralf Drescher, Berlin-Lichtenberg

Endlich, es ist vollbracht. Kein dröhnender Fluglärm mehr über unseren Köpfen. Was viele lärmgeplagte Bürger seit Jahren fordern, ist durch seine Tat innerhalb weniger Tage möglich geworden. Wie konnte es überhaupt geschehen, dass einige wenige Flugsüchtige einen flächendeckenden Lärmteppich über die ganze Stadt ausbreiten konnten!? Hoffentlich fällt nicht wieder ein Politiker um und macht diese gute Regelung wieder rückgängig.

Klaus Seidel, Berlin-Charlottenburg

Das Flugverbot vernichtet zahlreiche Arbeitsplätze und macht Berlin kein bisschen sicherer. Nicht nur gewerblich fliegende Anbieter verlieren ihren Job, auch an der Privatfliegerei hängen zahlreiche Unternehmen: Flugzeugvercharterer, Werften und Flugschulen rings um Berlin. Alle diese müssen empfindliche Einbußen hinnehmen, denn Rundflüge über Berlin waren für Privatpiloten eine der beliebtesten Touren. Wer aber in die City fliegen will, kann dieses Ziel weiterhin mühelos erreichen. Das Flugverbot ist wahltaktische Augenwischerei.

Beatrice Jockusch, Privatpilotin, Berlin-Spandau

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