Leserbriefe : Er hat den Brecht ganz schön veralbert

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„Das apokalyptische Tier“

vom 15. März 2006

Obwohl es einmal in der Welt und gewiss nicht mehr daraus zu verscheuchen ist, bleibt es doch falsch. Hacks ist nicht auf Brechts Rat, sondern gerade gegen dessen Empfehlung von München nach Ostberlin übergesiedelt.

Er fragt am 30.10.1951 brieflich bei Brecht an, der rät ihm am 15.1.1952 hinhaltend-indifferent ab („Gute Leute sind überall gut“). Hacks hat durchaus verstanden und schreibt am 1.2.1952, „wie dankbar und freudig betroffen ich über die Einfachheit und Deutlichkeit Ihres Rates war. Ich glaube nicht, daß die Ereignisse mir gestatten werden, ihn zu befolgen. Aber es ist immer ein Unterschied, ob man, wenn man über den Bodensee reitet, eine Laterne bei sich führt oder nicht. Ich versichere Ihnen, daß Ihr Brief in ganz ausnehmendem Maße dazu geholfen hat, meine Vorurteile zu lockern und meine Kenntnis von der Welt zu befestigen, und ich habe Ihnen mehr zu danken als eine Auskunft in einer Frage – auch wenn man diese mit Recht als die wichtigste unter den stellbaren bezeichnen kann.“ Und wenn ich nicht wüsste, dass Hacks für Ironie wenig übrig hatte, würde ich sagen, er hat den Brecht schon damals ganz schön veralbert.

Dr. Matthias Oehme, Eulenspiegel

Verlagsgruppe, Berlin-Mitte

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