Leserbriefe : Es gibt Ärzte – und Mediziner

Zur Debatte über eine erneute Reform des Gesundheitswesens

Der Fisch stinkt vom Kopf her: Im Gesundheitswesen sind dies die Ärzte. Viele versagen auf drei großen Gebieten: Wo haben die großen Ärzteverbände (Hartmannbund, Marburger Bund, NAV-Virchowbund, Ärzte-Kammern etc.) eigene umfassende Reformvorschläge für das bislang nicht mehr finanzierbare Gesundheitswesen geliefert? Jeder Arzt weiß, dass es so, wie bisher, nicht weitergehen kann. Vater Staat soll es richten, damit man weiter maulen kann? Wie kann man die politische Beurteilung von Gesundheitsfragen Nichtärzten überlassen? Nennt die Ärzteschaft dies Verantwortung?

Ärzte brauchen wir – nicht Mediziner: Uns lehrte man: „Eine sorgfältig erhobene Anamnese (Krankengeschichte, Symptomschilderung) ist die halbe Diagnose.“ Daran hat sich bis heute nichts geändert. Eine eingehende, sehr sorgfältig durchgeführte Ganzkörperuntersuchung schafft daran anschließend in den meisten Fällen Klarheit. Welcher Arzt/Mediziner in der Praxis tut dies noch?

Labor und Geräte, nicht als meist sinnloses Screening, sondern sehr gezielt eingesetzt, machen nur noch etwa zehn Prozent der Diagnose aus.

Solch originär ärztliches, obendrein kostensparendes Verhalten wird heute gern als „Barfußmedizin“ diskriminiert und eigene Unfähigkeit somit überdeckt.

Ungeheure Medikamentenkosten: Ärzte beraten, Mediziner verordnen in erster Linie Medikamente. Adipositas, Gelenk- und Rückenschmerzen, Herz-Kreislauf oder Magen-Darm-Erkrankungen etc. Man kann als Arzt sehr viel bewirken ohne oder mit nur sehr geringem Einsatz von Medikamenten. Kein Medikament ist ohne schädliche Nebenwirkungen. Große Untersuchungen ergeben: Circa 30 Prozent der Krankheitserscheinungen sind heutzutage durch Medikamente verursacht. Jeder Arzt weiß das. Mediziner ignorieren es.

Ärzte sparen Kosten. Mediziner, die sich fast ausschließlich auf Computerdiagnosen auf Grund unendlicher Laborwerte und Geräteuntersuchungen stützen, das Heil ihrer therapeutischen Aktionen fast ausschließlich bei bequem zu verordnenden Medikamenten suchen, versagen im zwischenmenschlichen Bereich. Und der ist auch deshalb so wichtig, weil viele Krankheitsursachen im soziologischen und psychologischen Bereich zu suchen sind. Ärzte kümmern sich darum. Mediziner reden nur darüber!

Darauf sollte jede Gesundheitsreform großen Wert legen.

Dr. Christoph Hilsberg,

Berlin-Lichterfelde

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