Leserbriefe : Es gibt keine Renaissance der Atomkraft

Zum Interview mit dem Direktor

des Forschungszentrums Karlsruhe,

Eberhard Umbach, vom 1. Oktober

Die internationale Atomlobby versucht schon seit über zehn Jahren eine Renaissance der Atomkraft herbeizureden – und einige Politiker und Journalisten fliegen auf diese Public-Relation-Kampagne immer wieder herein.

Dabei sprechen die Fakten eine völlig andere Sprache: Als belastbare Informationsbasis dient die Datenbank der Internationalen Atomenergieorganisation Atomic Energy Agency (IAEO). Danach ist im Zeitraum von 1987 bis 2007 die Anzahl der Reaktoren weitweit gerade einmal von 423 auf 439 gestiegen, also um nicht einmal einen Reaktor pro Jahr. Diese Reaktoren haben eine Gesamtleistung von 371671 MW und eine durchschnittliche Betriebszeit von 23 Jahren. Die Anlagen stehen in 31 Ländern, aber 85 Prozent der weltweiten Atomstromproduktion erfolgt in nur sechs Ländern, Deutschland hält noch Rang vier. Ferner sind 31 Blöcke im Bau und weitere fünf langfristig abgeschaltet – darunter der Schnelle Brüter Monju in Japan, der seit dem Natrium-Unfall von 1995 nunmehr seit zwölf Jahren repariert wird. Die genauere Betrachtung der Bauprojekte zeigt zudem, dass zehn dieser Reaktoren schon zwischen 20 und 32 Jahren „im Bau“ sind.

Bei diesen Fakten eine „weltweite Wiedergeburt“ zu behaupten ist schon sehr mutig, denn derart lange Bauzeiten verursachen enorme Kosten, die keine Bank der Welt finanziert. Ferner deutet auch die Stilllegung von 119 Reaktoren mit einer durchschnittlichen Betriebszeit von 21 Jahren in eine völlig andere Richtung. Allein im Jahr 2006 wurden insgesamt acht Reaktoren stillgelegt, zwei in Betrieb genommen und der Bau von sechs Blöcken begonnen. Bei einer angenommenen Betriebszeit von 40 Jahren werden bis zum Jahr 2015 insgesamt 80 Reaktoren und bis zum Jahr 2025 weitere 197 KKW – also insgesamt 277 Reaktorblöcke mit einer Gesamtkapazität von 218031 MW – diese Grenze erreichen.

Da die sogenannte Leadtime – die Zeit zwischen Bauplanung bzw. -entscheidung und kommerzieller Inbetriebnahme – für ein AKW inzwischen über 10 Jahre beträgt, kann die heute vorhandene Leistung wohl kaum beibehalten werden.

PD Dr. Lutz Mez, Geschäftsführer

der Forschungsstelle für Umweltpolitik,

Freie Universität Berlin

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