Leserbriefe : Es gibt viel zu tun an Berliner Schulen

„Die Geschwisterregelung in den Schulen wurde abgeschafft. Eltern und Opposition fordern sie zurück“ vom 10. Juni

Da alle Menschen verschieden sind, sollte doch allen Eltern die Chance gegeben werden, ihrer Verantwortung gegenüber ihren Kindern gerecht zu werden. Die passende Schule für ihr Kind auszuwählen, ist doch die Verpflichtung der Eltern, die sie ihren Kindern gegenüber haben. Nur so kann sich jedes Kind nach seinen Möglichkeiten entwickeln.

Die „Zwangseinschulung im Einzugsbereich“ hindert jedoch auch indirekt die Grundschulen selbst, sich ein eigenes Profil zu geben, besser zu werden. Denn die Kunden werden zugewiesen. Wer sich nicht um Kundenakquise kümmern muss, wird schnell träge und richtet sich ein, wird selbst nicht mehr gefordert und vergibt sich die Chance, sich weiterzuentwickeln. So wäre eine Liberalisierung des Systems für Schüler, Lehrer, Schulen – also unsere ganze Gesellschaft – nützlich.

Meine Kinder gehen übrigens in zwei verschiedene Grundschulen (mit Absicht), keine der Schulen ist die, in die sie nach der Wohnadresse „müssten“.

Dirk Sarnoch, Berlin-Oberschöneweide

„Eltern fürchten Lehrermangel“

vom 15. Juni

Die extremen Einsparungen bei der Vertretungsreserve an Berliner Schulen zeigen schon jetzt Wirkung an den Schulen, und zwar nicht nur in quantitativer Hinsicht (Stundenausfall), sondern vor allem in qualitativer Hinsicht. Vielerorts werden in der Oberstufe vermehrt Kurse zusammengeschlossen, wie damals in der Dorfschule sitzen beispielsweise Oberstufenschüler jetzt schon vereinzelt jahrgangsübergreifend mit den „Großen“ zusammen in einem Kurs, was bedeutet, dass man nicht mehr rahmenplankonform unterrichten kann. Leistungskurse mit 25 Schülern sind inzwischen keine Seltenheit mehr, in der Sekundarstufe I sitzt es sich mit nicht selten 34 Schülern auch sehr eng. Die Wahlmöglichkeiten der Schüler sind insbesondere in der Oberstufe stark eingeschränkt, denn kaum eine Schulleitung hat für das neue Schuljahr noch den personellen Freiraum, Kurse mit weniger als 15 Schülern einzurichten. Auf lange Sicht wird etwa der Erwerb des Latinums kaum mehr von einem Berliner Gymnasium angeboten werden können.

Seit Jahren wird nur noch tröpfchenweise eingestellt, das Berliner Kollegium vergreist, zieht sich resigniert in den Dienst nach Vorschrift zurück oder fällt mit Burn-out-Symptomen in einem noch nie da gewesenen Umfang aus. Junglehrer, die insbesondere in Umbruchzeiten mit einem hohen Reformumfang im laufenden Betrieb eminent wichtig sind, gibt es an vielen Schulen nicht mehr, da seit Jahren nur noch umgesetzt und kaum mehr neu eingestellt wird. Des Weiteren werden die Umschulungen für die Personalkostenbudgetierung den überforderten Schulleitern auch nicht helfen, junge Kräfte an ihre Schulen zu locken. Genauso gut könnte man der Polizei die Dienstwagen wegnehmen und den Polizeiwachen reduzierte Beträge zur Verfügung stellen, mit denen sie sich auf dem Gebrauchtwagenmarkt umsehen sollen.

Die Vertretungsstellen sind untertariflich bezahlt, und die noch vor Monatsfrist als Anreiz für Vertretungslehrer in Aussicht gestellten unbefristeten Stellen haben sich in den überwiegenden Fällen in Luft aufgelöst. Oft telefonieren Schulleiter Listen mit 50 und mehr Bewerbern ab, ohne auch nur einen Interessenten engagieren zu können. Nach im Regelfall neunjähriger Ausbildungszeit inklusive Hochschulstudium und zweier Staatsexamen sind monatliche Einkommen von teilweise 750 € und weniger (je nach Stellenumfang) kaum dazu geeignet, motivierte und kompetente Junglehrer langfristig als Vertretungslehrer zu gewinnen. In anderen Bundesländern schüttelt man über Berlin ja bereits den Kopf und freut sich über die Flut von exzellent ausgebildeten Junglehrern, die Berlin einfach ziehen lässt.

Alexander Lohse, Berlin-Kreuzberg

„Sozialarbeiter an alle Berliner Schulen vom 10. Juni

Bildungsstaatssekretär Schlemm kündigt Schulsozialarbeit für alle Berliner Schulen an. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Ankündigung substanzreicher ist als das magere Programm für die Hauptschulen und Förderzentren. Bei diesem Programm bedient sich der Senat freier Träger als ausgelagerte kostenlose Personalverwaltungsausführende, ohne diese in die Lage zu versetzen, die Sozialarbeiter in den Schulen auch fachlich wirklich zu begleiten. Noch schlimmer sieht es an Förderzentren aus, wo ein Sozialarbeiter gleich für zwei Schulen zuständig ist, die oft weit auseinanderliegen, und die intensive Begleitung der Schüler so gar nicht möglich ist. Skepsis ob dieser vollmundigen Ankündigungen bleibt also angeraten.

Peter Cardiff, Berlin-Schöneberg

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