Leserbriefe : Etwas Abschreckung

„Die Stadt der kurzen Wege / Rad, Bahn und Bus hängen das Auto ab. Berlin ist die einzige deutsche Kommune, in der der motorisierte Verkehr stetig sinkt“

von Klaus Kurpjuweit und Ralf Schönball vom 17. April

Der Artikel feiert die Abnahme des Autoverkehrs in der Stadt. Proftiert hätten die S-Bahn und vor allem das Fahrrad. Dazu zitieren Sie den Abteilungsleiter in der Senatsverwaltung für Verkehr, Friedemann Kunst, der Fahrradanteil könne noch von 15 auf 20 Prozent gesteigert werden. Das solle durch „etwas Abschreckung“ erreicht werden.

Wer Fahrradfahren noch nicht für eine gute Sache hält, kann vermutlich überzeugt werden. Wenn er aber durch das Androhen von Übeln dazu gebracht werden soll, wird er eher Anlass zu zweifeln bekommen, ob die Sache wirklich so gut sei. Konkret lässt sich Politik der Abschreckung erfahren in BVG-Omnibussen und Straßenbahnen.

Vor nicht langer Zeit hat die BVG damit geworben, dass ihre Busse fast nur Randplätze, also Plätze mit Aussicht hätten. Besonders reizvoll sind diese Plätze im Oberdeck der Doppeldecker. Nun hat die BVG begonnen, diese Plätze doppelt zu verkaufen, einmal an ihre Fahrgäste und ein weiteres Mal an ein werbendes Unternehmen. Wer jetzt einen Doppeldecker besteigt, sieht nur noch seine Mitreisenden und in der zugeklebten Scheibe bestenfalls sein Spiegelbild.

Es ist nicht sicher, ob die BVG durch diese Art der Abschreckung tatsächlich den Fahrradverkehr fördern wollte. Daran lässt sich aber gut ablesen, wohin eine Politik führt, die durch „etwas Abschreckung“ das Verkehrsverhalten lenken will.

Dr. Max Braeuer, Berlin-Lichterfelde

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben