Leserbriefe : Europa muss in der Welt neue Partner finden

-

„Auf der richtigen Achse“ vom 20. Januar 2005

Auf den ersten Blick wirkt Herrn Schäubles Appell, die atlantische Partnerschaft in Ordnung zu bringen, vertraut und vernünftig, bei längerem Nachdenken aber nicht an den Realitäten des 21.Jahrhunderts orientiert.

Anscheinend meint Herr Schäuble, „der alte Zustand des Vertrauens“ müsse wieder hergestellt werden, und er gerät fast in Panik ob der bestehenden Zustände. Dabei gerät jede Abweichung zur Katastrophe und es bleibt nur die Einstellung „wer nicht für mich ist, ist gegen mich“. Beleg sind Sätze wie „Europa darf sich nicht gegen Amerika positionieren, es verbieten sich weitere Kraftproben, unverantwortlich ist das Austesten vermeintlich alternativer, weltpolitischer Achsen, in Konkurrenz zueinander werden Europa und Amerika wenig ausrichten“. Das sind befremdliche Worte in einer globalisierten Welt, Worte der Angst und der Mutlosigkeit.

Dabei zeigen die Ansätze zur Bewältigung der großen Herausforderungen, dass hier schon längst andere Mechanismen wirken. Niemand will Antiamerikanismus zur Staatsdoktrin erklären. Aber die globalisierte Welt hat viel mehr Mitspieler, und weder die USA noch Europa werden sich langfristig auf eine exklusive transatlantische Priorität einlassen. Die Koalition der Willigen im Irakkrieg war ein erster Hinweis auf neue Organisationsformen. Es gibt nicht ein gutes transatlantisches Verhältnis, das wir wieder herstellen können, wir müssen ein neues, zeitgemäßes und lösungsorientiertes erfinden. Die traditionellen Metaphern, die Herr Schäuble hier findet, sind bei weitem nicht ausreichend. Man sollte allen Diskutanten zu mehr Gelassenheit und Vertrauen in die menschliche Vernunft raten.

Eduard Hoffmann, Wiesbaden

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben