Leserbriefe : Familienväter ohne Geld fürs Segeln

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Betrifft: „Linke Tasche – rechte Tasche“ vom 28. Dezember 2003

Als Familienvater in einer mit der des beispielhaften Herrn Gröbel vergleichbaren Situation, kann ich über die vorgelegte Vorhernachher-Rechnung, insbesondere im Vergleich zur armen Rentnerin, nur den Kopf schütteln.

Vorweg hätte erwähnt werden müssen, dass in der Familienkasse bei einem entsprechenden Bruttoeinkommen bereits 2003 gut 100 Euro pro Monat fehlen, aufgrund der Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze für die Rentenversicherung. Da fallen die selbst zu zahlenden Schulbücher schon kaum noch ins Gewicht. Aber: Warum gehen nur Rentner zum Arzt und Eltern nicht? Oder warum werden die entsprechenden Zuzahlungen nur bei Frau Berger aufgeführt und nicht bei Familie Gröbel?

Und dass Miete und Nebenkosten für Frau Berger steigen, ist zwar unschön für sie, hat aber nichts mit der Steuerreform zu tun und darf nicht in die Endabrechnung mit eingehen.

Pro Kopf bleiben der Familie in Ihrer Rechnung vor der Reform 424 Euro, nach der Reform 433 Euro. Und davon gehen noch die Fahrtkosten (laut Artikel 118 Euro) ab. Was bleibt dann noch als Reformgewinn?

Zudem ist es falsch und realitätsverzerrend, wenn Sie suggerieren, dass von den 30 Euro Unterschied im Pro-Kopf-Nettoeinkommen zwischen Familie und Rentnerin die beschriebenen Vergnügungen wie Segeln, Ballett, Tennis etc. zu finanzieren sind. Falls nicht, bitten wir um Nennung der entsprechenden Adressen.

Was bleibt hängen? Rentner darben – Familien prassen. So bitte schön nicht.

Horst E. Braun, Berlin-Nikolassee

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