Leserbriefe : Fehler können ziemlich tödlich sein

Zur Berichterstattung über die Pannen

in deutschen Akw

Der Leitartikel „Das Restrisiko“ vom 11. Juli vermittelt ein falsches Bild. Erstens: Seit Jahrzehnten wird der Neubau von Kernkraftwerken in Deutschland massiv boykottiert. Wir sind folglich nicht in der Lage, ältere Anlagen rechtzeitig vom Netz zu nehmen und durch neue Kraftwerke zu ersetzen. Folglich bleiben nach etwa 30 Betriebsjahren naturgemäß „ältere Anlagen“ am Netz. Der Bürger soll ja schließlich nicht seine sonst durchaus informative Tageszeitung bei Kerzenlicht oder Petroleumfunzeln lesen müssen. Und bei älteren Anlagen kann es durchaus sein, dass Überholungen notwendig sind, dass Teile ausgetauscht werden müssen. Diese Tatsache schränkt die Aussage, dass deutsche Kernkraftwerke für ein Höchstmaß an Sicherheit stehen, in keiner Weise ein.

Zweitens: Die Stromerzeugungskapazität der bisher abgeschalteten Kernkraftwerke in Deutschland wurde mit Sicherheit nicht durch erneuerbare Energien ersetzt. Dafür stehen wohl eher neu erbaute Kohlekraftwerke. Diese Art der Energieerzeugung stößt erwiesenermaßen erhöhte Kohlendioxidmengen aus und fördert auf diese Weise den allseits gefürchteten Klimawechsel.

Drittens: Atomstrom ist noch immer die preiswerteste und sauberste Art der Stromerzeugung. Die Atomstromnutzung birgt bei sorgsamem und verantwortungsbewusstem Umgang im eigenen Land nicht mehr Gefahren für Land und Leute, als die mögliche Bedrohung durch Akw-Havarien in unmittelbarer europäischer Nachbarschaft. Von der derzeitigen weltweiten nuklearen Aufrüstung wollen wir erst gar nicht reden.

Ingrid Gottmannshausen,

Bernau, OT Schönow

Bisher war ich mit Bedenken Befürworter der Kernkraft, weil ich davon ausgegangen bin, dass die besten Fachleute die Verantwortung für diese sensible Technik tragen. Und dann müssen wir erfahren, dass ein selbst ernannter Bürokrat der Verantwortliche für einige dieser gefährlichen Einrichtungen ist.

Ein Mädchen aus einem türkischen Dorf muss Deutschkenntnisse nachweisen, wenn es in Deutschland einen türkischen Jungen heiraten will (muss). Was muss ein Bürokrat aus einem schwedischen Unternehmen nachweisen, wenn er in Deutschland die Verantwortung für Kernkraftwerke übernimmt?

Nimmt der Staat eigentlich die Aufgabe zum Schutz der Bevölkerung in dieser hochsensiblen Angelegenheit wahr?

Peter Lein, Berlin-Spandau

Nach allem, was Außenstehenden bekannt wird, hat die Leitung des KKW Krümmel mindestens gegen drei wichtige Prinzipien einer sicheren Betriebsführung verstoßen. Erstens: Das Betriebspersonal muss immer wieder fachlich, physisch und psychisch für Störfälle geschult werden. Nur so ist das richtige Verhalten bei Betriebsstörungen und die Vermeidung von Fehlbedienungen gewährleistet. Zweitens: Bei lange laufenden und mit hohem Schädigungspotential versehenen Anlagen ist eine vorbeugende Instandhaltung durchzuführen. Bei Gewinnen von fast einer Million Euro pro Tag können keine wirtschaftlichen Gründe dagegen aufgeführt werden. Drittens Leitstände sind grundsätzlich mit leichtem Überdruck zu betreiben. Dadurch wird vermieden, dass bei Störungen oder Bränden gefährliche Gase von außen in die Steuerungsräume gelangen. Eine umsichtige Arbeit mit Gasmasken in der Leitwarte, wie in Krümmel offensichtlich notwendig, ist nicht möglich.

Betrachtet man allein diese Aspekte, verbindet sie mit der Informationspolitik des Vattenfall-Konzerns bei den Störfällen in Deutschland und in Schweden, ist der der Betrieb von Kernkraftwerken wesentlich gefährlicher als bisher bekannt.

Dr. Hans Puxbaumer, Berlin-Steglitz

Es lohnt, sich den von Vattenfall veröffentlichten langen Bericht genau anzusehen. Daraus folgen Fragen nicht nur an Krümmel, sondern an alle 17 deutschen Akw. Diese Fragen müssten sofort für alle Akw abgearbeitet und in Technik und Schulung die Konsequenzen gezogen werden. Übrigens: In jedem Land der Welt sind die dortigen Akw die sichersten der Welt. Ganz sicher. Aber wo Menschen planen und arbeiten, geschehen nun einmal Fehler. Das ist nur menschlich. Nur können Fehler in Akw ziemlich tödlich sein.

Reinhard Kaiser,

Berlin-Prenzlauer Berg

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