Leserbriefe : Fenster nach draußen

„Wes Brot ich ess – Künstler und Politik: Theater in Teheran, Morddrohungen

in Dänemark“ von Malte Lehming

vom 15. Februar

In dem Artikel wird Claus Peymann vorgeworfen das iranische Regime mit dem Gastauftritt vom Berliner Ensemble zu unterstützen. In der Tat muss man vorsichtig sein, dass Kultur nicht für politische Zwecke instrumentalisiert wird oder ein diktatorisches Regime unbewusst stärkt. Peymann ist aber keine Leni Riefenstahl. Und bei einem Stück wie „Mutter Courage“ von Brecht, einem Antikriegsstück, besteht wohl kaum die Gefahr.

Ein „Kulturembargo“ ist der falsche Weg mit Regimen wie dem Iran umzugehen. Zum einen muss man sich fragen, wen man damit trifft. Meiner Meinung wohl eher die Intellektuellen und Kunstinteressierten und nicht die politische Elite. Man darf diese Länder nicht alleine lassen. Ächtung darf nicht auf Kosten der Bevölkerung gehen.

Zum Zweiten ist es gerade die intrinsische Eigenheit von Kunst und Kultur, dass sie Freiräume schafft. Kunst ist ein freier Raum und bleibt es auch, selbst wenn auf der Bühne Kopftücher getragen werden müssen.

Peymann ist zwar nicht im Auftrag der Bundesregierung in den Iran gereist, aber Theateraufführungen in anderen Ländern sind ein wesentliches Element der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Nicht umsonst wird Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik als dritte Säule der Außenpolitik bezeichnet, denn sie schafft ein stabiles Fundament für die internationalen Beziehungen durch den Dialog der Menschen. Mit auswärtiger Kulturpolitik können Menschen mit Inhalten erreicht werden und alternative Lebens- und Staatsformen aufgezeigt werden. Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik muss als Chance begriffen werden, als Fenster nach draußen, gerade in Regimen wie dem Iran.

Angelika Krüger-Leißner (SPD), MdB, stellvertretende Vorsitzende des Unterausschusses Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben