Leserbriefe : Flughafen ist nicht gleich Flughafen

Zur Berichterstattung

über den Flughafen Tempelhof

Ich empfinde es so langsam als Ärgernis. Wann endlich – nach wiederholten Hinweisen – wird auch der Tagesspiegel den genauen Wortlaut des sogenannten Konsensbeschlusses aus dem Jahre 1996 zur Kenntnis nehmen. Es ging nicht um die völlige Schließung der Flughäfen Tempelhof und Tegel. So hatte beispielsweise die Bundesregierung ein besonderes Interesse an einer möglichen Offenhaltung eines dieser Flughäfen für ihre Flugbereitschaft. Deshalb war nur die Rede von der Schließung der Verkehrsflughäfen. Ausdrücklich wurde damit die Offenhaltung als „Sonderflughafen“ – also von Flughäfen mit begrenzter Nutzungsmöglichkeit – für möglich gehalten. Das war unter anderem das Ergebnis meiner Verhandlungen mit dem damaligen Bundesverkehrsminister Wissmann. Für die heutige Diskussion und die Nutzung von Tempelhof im Rahmen der Immobilienpläne von Lauder oder den Überlegungen der Deutschen Bahn geht es aber gerade nur um begrenzten Flugverkehr.Für die Totalschließung von Tempelhof kann man sich nicht auf den Konsensbeschluss berufen, für die vorzeitige Schließung gibt es keine juristischen Argumente.

Die Initiative für die Offenhaltung von Tempelhof will allerdings mehr. Und bei der Planfeststellung haben die beteiligten Landesregierungen in den letzten Jahren mit Sicherheit auf die Differenzierungsmöglichkeiten des Konsensbeschlusses nicht geachtet. Es bleibt aus meiner Sicht die simple juristische Tatsache, dass eine neue Planfeststellung den Flughafen Schönefeld nicht gefährdet. Dazu gibt es eine viel zu dynamische Veränderung im Luftverkehr, sowohl in der Technik als auch in der notwendigen Kapazität der Berliner Flughäfen.

Eberhard Diepgen,

Regierender Bürgermeister a. D., Berlin

Tatsächlich ist im Konsensbeschluss von „Verkehrsflughafen“ die Rede. Von einer Weiternutzung als „Sonderflughafen“ steht nichts in dem Beschluss. In der Drucksache, mit der der Senat dem Abgeordnetenhaus am 4. Juli 1996 den Konsensbeschluss zuleitete, ist klar von der Schließung der „Flughafenstandorte“die Rede. Außerdem heißt es wörtlich, „durch die schrittweise Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof“ solle „eine wesentliche Reduzierung der von Fluglärm Betroffenen“ erreicht werden. D. Red.

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