Leserbriefe : FLUGHAFEN TEMPELHOF

Verantwortung

Hauptstadt oder Provinz? Jede fortschrittliche Hauptstadt sorgt sich um die Verbesserung der Lebensqualität im innerstädtischen Bereich. Allein schon diesbezüglich wäre die Schließung des Flughafens Tempelhof für hunderttausende Berliner ein großer Schritt!

Das kürzlich ein aus Tempelhof kommendes Flugzeug bei einer Bruchlandung in Mannheim von der Landebahn abgekommen ist, scheint hier niemand wahrgenommen zu haben. Wäre derselbe Unfall hier passiert – die Maschine wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit in ein angrenzendes Wohnhaus gekracht und die Diskussion um den Flughafen hätte endlich ein Ende.

Johannes Hupka-Enwaldt,

Berlin-Tempelhof

Es ist unverantwortlich, eine Hauptstadt mit nur einem Flughafen auszustatten. Die mutwillige Herbeiführung einer Situation, in der schon ein Unfall oder ein Attentat den Flugbetrieb wochenlang ersatzlos zum Erliegen bringen könnte, ist deshalb nur als grob fahrlässiges Handeln gegen die Interessen Berlins zu bezeichnen.

Dieter Schweinlin, Berlin-Mitte

Geldverschwendung

Bedauerlich ist, dass der Volksentscheid 2,5 Millionen Euro Kosten verursacht. Der Betrag könnte sinnvoller für notwendige Sanierungen von Schulungen, Schwimmbädern oder Straßen verwendet werden.

Aber die Abstimmung muss sein! Ein erfolgreicher abgeschlossenes Volksbegehren muss auch den Neinsagern zur Offenhaltung Tempelhofs eine Stimmabgabe ermöglichen. Insbesondere dann, wenn – wie gesehen – Herr Pflüger bei der Werbung für die Offenhaltung des Flughafens dessen historische Bedeutung in den Mittelpunkt stellt. Er hat es bestens verstanden, damit die Emotionen der Bürger anzusprechen und mit Veranstaltungen Einfluss zu nehmen.

Als einziges sachbezogenes Argument hat Herr Pflüger die Wichtigkeit des Wirtschaftsstandortes Berlin angesprochen und dafür plädiert, dass Tempelhof zumindest für den Geschäfts- und Privatflugverkehr offen bleiben müsste, jedoch hat er nicht bedacht, dass schnelle Verkehrsanbindungen von Schönefeld in die Stadtmitte vorgesehen sind.

Margit Hesse, Berlin-Steglitz

Es ist kaum zu glauben: 1250 Mitglieder des ICAT e. V. verursachen Kosten in Millionenhöhe für den Erhalt von Tempelhof. Es gelingt ihnen die Opposition im Senat, die IHK und führende Wirtschaftsmanager (diese Kombination ist keine Überraschung!) auf ihre Seite zu ziehen. Wie auch immer das sogenannte Volksbegehren ausfällt: Gegen BBI wurde 10 Jahre gekämpft – hier streitet ein Verein für einen Flughafen. Leider wird diese skurrile längst nicht mehr sachliche sondern nur noch parteipolitisch bestimmte Diskussion weitergehen. Gerichte werden bemüht, die Polizei muss Demonstranten schützen – alles auf Kosten des Steuerzahlers.

Nikolaus Petersen, Berlin-Friedenau

Investitionen

Es gibt keine Investition in Berlin, die nachweislich auf die Anflugmöglichkeit von Tempelhof zurückzuführen ist. Investitionsentscheidungen werden nach Renditeerwartungen und nach den Entwicklungsmöglichkeiten des Unternehmens am Standort getroffen. Befördert werden Investitionen durch eine gut funktionierende und reibungslos arbeitende Verwaltung. Ob der Flughafen etwas weiter südlich oder nördlich liegt, ist ohne Bedeutung, wenn er verkehrsmäßig gut mit der Stadt verbunden ist. Die Vergleiche mit London hinken auf beiden Beinen. Genauso wie eine Schließung von Tempelhof nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, würde durch eine Offenhaltung dieses große Grundstück der Stadtplanung auf Jahrzehnte hinaus entzogen. Ein Blick auf den Stadtplan genügt eigentlich schon.

Auf die windigen und verschwommenen Investitionsvorschläge von Herrn Lauder lohnt es sich nicht näher einzugehen. Die finanziellen Forderungen an die Stadt für das Umfeld erwähnt er schon gar nicht mehr. Die Zahl der prognostizierten Arbeitsplätze schwankt zwischen 2000 und 5000. Ja was denn nun? Hat er nun perfekten Plan oder nicht? Wo will er denn die hochqualifizierten Mediziner für seine Klinik herbekommen? Abwerben mit hohen Gehältern aus der Gesundheitsversorgung der Stadt? Ein schlechtes Geschäft für Berlin!

Dieter Gabriel, Berlin-Lichtenrade

Demokratie

Volksentscheid klingt so nach Basisdemokratie – Volk entscheidet. Es erinnert an die altgriechische Demokratie in der Interpretation der deutschen Romantik, an einen hohen Freiheitsgrad der Willensentscheidung der Mehrheit mit den zufälligen Ergebnissen, die sich aus dem Nachdenken des mündigen Bürgers über ein anstehendes Problem und daraus gezogenen Schlussfolgerungen ergeben. Die Schweizer Bevölkerung ist damit groß geworden, kennt seine Vor- und Nachteile und ist nach über mehrere Jahrhunderte gesammelten Erfahrungen auch heute noch von der Richtigkeit des Prinzips überzeugt. Welcher Teufel die deutschen Demokraten geritten hat, den Volksentscheid als politische Willensbekundung der Basis einzuführen, soll nicht erörtert werden. Aber typisch deutsch mit unseren Diktaturerfahrungen scheint mir zu sein, dass sie aus Angst vor der eigenen Courage die zwangsläufige Erfüllung des Mehrheitswillens ausgeschlossen haben. Es ist eher eine Form der Meinungsforschung mit beliebig verwendbaren Ergebnissen.

Herr Wowereit und sein Senat haben, gezwungen durch die Aktivitäten der Opposition, einen Volksentscheid über die Zukunft des Flughafens Tempelhof eingeleitet. Was wir jetzt erleben ist eine Posse, die einen siebenstelligen Eurobetrag verschlingt und deren Ergebnis die Landesregierung nur anzuerkennen bereit ist, wenn es die eigenen Entscheidungen bestätigt.

Flughafen Tempelhof? Ist mir eigentlich egal. Demokratie nicht, obwohl – oder gerade weil – ich sie nicht von Kindheit an gelernt habe.

Dr. Dietmar Krausch,

Berlin-Prenzlauer Berg

Eine höchst merkwürdige Verhaltenskultur wird an den Tag gelegt: bevor ein kurzfristig bekannt werdendes Abstimmungsergebnis über den Fortbestand des Flughafens vorliegt, bereits jetzt diktatorisch oder autokratisch nur ein Ziel dem Bürger vorzuschreiben, selbst wenn die Volksabstimmung anders als von der gegenwärtigen Stadtpolitik des Regierenden Bürgermeister gewünscht, verlaufen sollte. Man könnte dazu nur sagen, nicht ärgern nur wundern! Blamabel für unsere Stadt und ihre Politik, wenn diese neue Gangart auf Dauer zur Schau getragen wird. Das ist menschenverachtend.

Nils Boettcher, Berlin-Zehlendorf

Es war einmal …

Es war einmal ein mächtiger und ziemlich autokratischer Bürgermeister einer großen Stadt. In dieser gab es einen Flughafen, der von Fluggästen, da er schnell vom Stadtzentrum erreichbar war, gern genutzt wurde. Der Weg zu den beiden anderen viel größeren Flughäfen der Stadt war ihnen oft zu beschwerlich.

Auch der Bürgermeister nutzte ihn und auch viele prominente Leute, so zum Beispiel John F. Kennedy, und alle schätzten die schnelle Abfertigung und den Zeitgewinn bei der Fahrt bis zur Innenstadt. Der Bürgermeister hatte aber die wunderbare Idee, aus diesem Flughafen einen Park zu machen. Er zwar fast der einzige, der so dachte und hatte auch verschiedene rechtliche Probleme, die zu überwinden nicht leicht war. Um seine Vorstellungen durchzusetzen, musste er sich etwas anderes einfallen lassen. Was die Einwohner der Stadt dachten, interessierte ihn sowieso nicht.

So organisierte er einige private Leute, die mitten in der Nacht die Rollbahn mit Bulldozern zerstörten. Weder die Luftfahrtbehörde noch die Eigentümer der am Flugplatz parkenden Flugzeuge wussten davon. Na ja, das ist ärgerlich; aber die folgende Geldstrafe nimmt man doch gern in Kauf. Hauptsache, man hat sein Ziel erreicht.

Halt, ich dachte schon, dass Sie denken, ich würde von Klaus Wowereit reden. Nein, der Mann war Richard Michael Daley, der Bürgermeister von Chicago, der am 30. März 2003 so gefühlvoll bei der Beseitigung des Flughafens „Meigs Field“ vorging. Chicago hat übrigens mit Midway immer noch einen Innenstadtflughafen.

Heinz Schulz, Berlin-Hermsdorf

Eignung

Zunächst einmal herzlichen Dank für Ihre ausgewogene Berichterstattung zu diesem Thema. Es tut gut, dass jemand dem medialen Sperrfeuer aus der Kochstraße etwas entgegenhält. Ich möchte noch Folgendes anmerken: Der Flughafen Tempelhof genügte schon zu Ende der 60er Jahre den Anforderungen des modernen Luftverkehrs nicht mehr. Komplett überflüssig wurde er bereits 1974, nämlich als der neue Flughafen Tegel eröffnet wurde. Nur dem besonderen Status Berlins war es damals zu verdanken, dass er nicht dichtgemacht, sondern von der US-Airforce benutzt wurde. Doch als Verkehrsflughafen war er obsolet – es konnten ja nicht mal Jumbojets dort landen. Die einzigen beiden, die 1976 und 1987 in Tempelhof gestartet und gelandet sind, mussten komplett leer sein, sonst hätte die Startbahn nicht ausgereicht. Mein Vater – damals Flughafendirektor von Hannover – hat Anfang der 70er Jahre ein Planungsgutachten für den Ausbau von Tegel erstellt und bedauerte schon damals „die armen Berliner“, die mit gleich zwei innerstädtischen Flughäfen leben mussten. Unfassbar, dass auch heute noch Leute an diesem anachronistischen Zustand mit aller Macht festhalten wollen!

Albrecht Piper, Berlin-Schöneberg

Was der Krieg nicht geschafft hat, will der Regierende nun vollbringen. Wir fliegen bei jedem Besuch nach Tegel oder Tempelhof. Schönefeld kommt für uns wegen seiner abgelegenen Lage als Flughafen nicht infrage!

Folker Flasse, Münster

Umweltzone

Es ist völlig absurd, einen Flughafen, der täglich schädliche Emissionen in die bevölkerungsreiche Innenstadt bringt, zu erhalten. Der Flughafen Tempelhof befindet sich inmitten der seit Januar 2008 eingerichteten Umweltzone, in die nur schadstoffarme Fahrzeuge hineinfahren dürfen und sich in Zukunft die Regelungen weiter verschärfen werden. Aber Flugzeuge sollen hier weiterhin starten und landen! Die ganze Welt wird darüber lachen, wenn in der Umweltzone der deutschen Hauptstadt ein veralteter Flughafen erhalten bleibt.

Helmut Bergsträßer, Berlin-Kreuzberg

Diskussionskultur

Gut, dass es eine große Diskussion um den Flughafen gibt. Aber: Leider wird kaum mit guten Argumenten diskutiert, sondern fast ausschließlich polemisiert. Von allen Seiten! Die Parteien nutzen das mittlerweile für ihren Poker um Mehrheiten ohne Rücksicht auf Verluste für die Bevölkerung. Das ist abstoßend (Hallo, Politikverdrossenheit)!

Wowereit setzt eine arrogante Miene auf und möchte die Meinung der Leute einfach ignorieren, legt aber auch kein fertiges Konzept vor, was genau nach der Schließung mit dem Gelände passieren soll. Der Senat ist pleite, und ich befürchte, dass ein Park oder öffentlicher Raum einfach nicht finanzierbar ist. Was ich am wenigsten möchte, ist, dass weitere Shoppingmalls entstehen oder sich Großinvestoren (nach „gutem Zureden“ in stillem Einverständnis mit dem Senat) das Gelände unter den Nagel reißen. Hätte Wowereit sich frühzeitig auf eine Alternative für die Weiternutzung festgelegt, wäre die Empörung wahrscheinlich nur halb so groß. Allerdings: Einen Flughafen mitten zwischen Häuserzeilen weiter zu nutzen ist absurd. Herr Mehdorn mit seinem Brief an Vorstandsmitglieder zeigt, wohin der Hase laufen soll.

Auch das Argument der Arbeitsplätze ist lächerlich. Der Flugverkehr wird ja nicht eingestellt, sondern nur verlagert. Und: Das Andenken, dass natürlich wichtig ist, kann viel besser mit öffentlich zugänglichen Gebäude- und Geländeteilen mit Erklärungstafeln erhalten bleiben, als dadurch, dass weiterhin lärmende Flugzeuge über die Köpfe der Anwohner hinwegrauschen.

Ingo Kölling, Pilot, Berlin-Schöneberg

Mal ehrlich und offen bitte, welche Lobbyisten haben seit über zwölf Jahren daran mitgewirkt, den Flughafen Tempelhof regelrecht auszutrocknen mit Stilllegungsbeschwörungen, erst unter Herrn Diepgen, dann unter Herrn Wowereit?

Sollten wir uns nach dem Urteil über die Nachtflugeinschränkung für BBI nicht überlegen, ob es sinnvoll ist, diese wegfallenden Stunden tagsüber nach Tempelhof umzulegen? Tegel platzt schon aus allen Nähten, das wird bei verzögerter Inbetriebnahme von BBI nur schlimmer werden, womit zu rechnen ist. Lasst uns die Flughäfen mindestens so lange, bis wir sehen, dass BBI richtig läuft, und das Flugfeld von Tempelhof erst dann bebauen.

Wolfgang Ernst,

Berlin-Buckow

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