Leserbriefe : Förderschulen fördern

„Schulreform verschoben“ von S. Beikler und S. Vieth-Entus vom 8. Juli

Die aktuelle Debatte über die Schulreform entlarvt sich wieder mehr als eine ideologische denn als eine pädagogische, schon gar nicht als eine differenzierte. Dies wird anhand der Frage der Behindertenintegration, insbesondere der Lernbehinderten, wieder deutlich. Bewährte Integrationsklassen kämpfen ums Überleben. Und Förderschulen sollen langfristig abgeschafft werden.

Die insbesondere von der Linken beklagte „Abschiebung“ behinderter Kinder in Sonderschulen (Förderschulen) ist oft vonseiten der Kinder (und auch der Eltern) die erste positive Bildungserfahrung, die z. B. lernbehinderte Kinder mit unserem (Berliner) Bildungssystem machen. Gerade in den ersten zwei Grundschuljahren erleiden viele dieser Kinder (wenn sie nicht einen der wenigen Plätze in Integrationsklassen, die auch ihren Namen verdienen, ergattert haben) sozial wie auch förderungsmäßig Schiffbruch. Da sie sozial der Komplexität einer großen Gruppe nicht gewachsen sind (und die Mitschüler sind nun mal nicht so politisch korrekt und akzeptieren die Schwachen!), erleben sie zwei Jahre der Herabsetzung, Ausgrenzung und ungenügender Förderung. Sie können dem Lernstoff kognitiv nicht folgen, erleben sich als Versager (was ihnen die Klassenkameraden auch bestätigen) und werden in der Regel kaum sonderpädagogisch gefördert. Nach den zwei ersten Schuljahren stehen viele Familien vor einem Scherbenhaufen. Häufig ist dann die Förderschule die Rettung: endlich angemessene Förderung, die Kinder haben zum ersten Mal Erfolgserlebnisse beim Lernen, erleben sich von Gleichaltrigen akzeptiert und finden endlich Freunde.

Die nun angedachte „Integration“ von lernbehinderten Kindern in Sekundarschulklassen von 25/28 Kindern erscheint vor diesem Erfahrungshintergrund und der zu erwartenden Personalausstattung absurd. Viele Eltern behinderter Kinder versetzt die Vorstellung, ihr Kind wieder einem neuen schulpolitischen Experiment auszusetzen, in Angst und Schrecken.

Constanze Meyer, Berlin-Spandau

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