Leserbriefe : Forumsfreude und Kuppeltrauer

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„Ein Schloss für Berlin – Bau billig“

von Rüdiger Schaper vom 24. Januar

Vielleicht kann die Leitartikel-Trauer des Tagesspiegels darüber, dass das künftige Humboldt-Forum ohne die Kuppel auskommen muss, ein wenig gedämpft werden durch den Hinweis darauf, dass das Berliner Schloss in der Fassung Schlüters und Eosanders hundertvierzig Jahre lang, von 1710 bis 1850, ohne Kuppel auskommen musste; diese wurde dem Bau erst in den 1840er Jahren durch Friedrich Wilhelm IV. aufgesetzt. Sie diente als Krönung einer Schlosskapelle, die der Mitte des 19. Jahrhunderts entstammte; es wäre nicht leicht, ihr heute im Fall des Wiederaufbaus eine sinnvolle neue Funktion zu geben. Darum hat die sogenannte Schloßplatzkommission (Internationale Expertenkommission Historische Mitte Berlin), deren Empfehlungen von 2002 betreffs des Humboldt-Forums der Bundestag folgte, Kuppel und Kapelle in ihre Rekonstruktionsempfehlung nicht einbezogen. Wenn der Verzicht auf beides dazu beiträgt, den dringend anstehenden Bau insoweit zu verbilligen, dass Berlin an dieser Stelle jene grüne Wiese erspart wird, die eine Dauerlösung geworden wäre, so sollte Forumsfreude jede Kuppeltrauer weit überwiegen. Dass das Humboldt-Forum, mit oder ohne Kapelle und Kuppel, ein Palast der vereinigten Republik werden würde, war übrigens von Anfang an klar.

Dr. Friedrich Dieckmann, Mitglied der Internationalen Expertenkommission Historische Mitte Berlin, Berlin-Plänterwald

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