Leserbriefe : Frankreich könnte Vorbild sein

„Das Schweigen der Muslime / In den meisten Moscheen wird die Initative Pro Reli ignoriert – dabei geht es auch um

den Islamunterricht“ von Claudia Keller

vom 12. Januar

Warum schweigen die Muslime? Dieser Bericht darüber, warum sich unsere muslimischen Mitbürger in der Sache des Volksbegehrens so zurückhalten, sollte uns nachdenklich machen. Die Erkenntnis, dass es sehr schwer ist, Muslime zur Mitarbeit bei der Initiative zu gewinnen, bezieht sich nicht nur auf diese Aktion. Es ist überhaupt schwierig, unsere Mitbürger mit Migrationshintergrund und im Besonderen die mit muslimischen Hintergrund für ein politisches Engagement zu interessieren. Dies hängt direkt mit dem Erlangen der deutschen Staatsbürgerschaft zusammen, die der politischen Stimme ein höheres Gewicht gibt.

Während beispielsweise in Frankreich 2007 der Großmufti von Marseille versuchte als Präsidentschaftskandidat zu kandidieren, ist so etwas in Deutschland zurzeit undenkbar. Die Muslime in Frankreich sind durch den höheren Anteil an französischen Staatsbürgerschaften besser in das politische Geschehen integriert. Dies geschah aber nicht einfach so, sondern auf Initiative des damaligen Innenministers Sarkozy, der 2002 einen Französischen Rat muslimischen Glaubens (CFCM) initiierte zu dem Zweck, dass sich die Muslime als französische Muslime verstehen sollten und um die Spannungen zwischen dem laizistischen Staat und den streng gläubigen Muslimen zu entschärfen.

Das zweite Problem ist die fehlende repräsentative Vertreterstruktur der Muslime. Die bisherigen Versuche, die zu den Gründungen des Islamrats und des Zentralrats der Muslime führte, kann nicht als befriedigend gelten, da diese nicht von allen Muslimen anerkannt werden. Man hätte also für das Volksbegehren jede Gruppierung einzeln ansprechen müssen. Das ist im Falle des Volksbegehrens, das von dem Engagement vieler Freiwilliger lebte, viel mehr ein organisatorisches als ein inhaltliches Problem. Was jedoch deutlich wird ist, dass dringend eine aktive Religionspolitik gefordert ist. Das Verhältnis zwischen Staat und Religionen, das sich nur auf das Verhältnis Staat und christliche Religionen bezieht, muss neu ausjustiert werden. Die von Burhan Kesici geäußerte Befürchtung, die islamische Föderation würde vermutlich bei der Konzeption eines staatlichen Religionsunterrichtes nicht mit einbezogen werden, kommt nicht von ungefähr. Solange der Islam keine Körperschaft öffentlichen Rechts ist, so wie das Verhältnis von Staat und christlicher Religion in Deutschland üblicherweise geregelt ist, ist der Einbezug der Islamischen Föderation auch nicht zu erwarten. Da gibt es eine Menge mehr zu tun als ein Ethikfach einzurichten!

Luitgard Demir, Berlin-Steglitz

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