Leserbriefe : Freie Träger sind nicht sozial

„Sozialarbeit in Berlin / Wildwuchs im Trebergarten“ von Werner van Bebber

vom 28. Februar

Die freien Träger arbeiten in der Regel effizient und wirtschaftlich. Das ist nicht die Frage. Andernfalls würden sie im Konkurrenzkampf untergehen. Die eigentlichen Fragen sind: Ist die Treberhilfe, bzw. Herr Ehlert die Ausnahme, oder ist die missbräuchliche Verwendung von staatlichen Geldern in der Berliner Trägerlandschaft nicht weiter verbreitet, als man zugeben möchte? Wie effizient sind die Kontrollverfahren der Senatsverwaltung, Bezirksämter tatsächlich? Bei der Treberhilfe scheint die Kontrolle versagt zu haben. Wie kommt es, dass prekäre Beschäftigungsverhältnisse bei freien Trägern so weit verbreitet sind? Warum verdienen die Beschäftigten der freien Träger so viel weniger als ihre Kollegen im öffentlichen Dienst? Sozialsenatorin Bluhm fragt, ob die Mitarbeiter der Treberhilfe nach Tarif bezahlt werden. Jeder weiß, dass so gut wie kein freier Träger nach Tarif bezahlt. Der Senat könnte Abhilfe schaffen, indem er Aufträge nur an Träger vergibt, die nach Tarif bezahlen. Daran hat der Senat aber kein Interesse, denn es soll alles kostengünstig sein. Zudem müßte der Senat den Trägern eine gewisse Planungssicherheit ermöglichen. Auch daran hat er kein Interesse. Der Fall ist meines Erachtens keine Ausnahme, sondern ein strukturelles Problem, das die freien Träger insgesamt betrifft.Martina Lang, Berlin-Buckow

Der Chef der Treberhilfe fährt als Dienstwagen einen Maserati und entfacht so eine Debatte über strengere Überprüfungen sozialer Unternehmen und über die Rechtfertigung sozialer Ausgaben in unserer Stadt. Das ist eine Entwicklung, die mich ärgert, da Herr Ehlert in meinen Augen ein Aufschneider ist und in der Landschaft sozialer Unternehmen ein Einzelfall. Mein Ärger richtet sich vor allem gegen die maßlose Verschwendung der erwirtschafteten Mittel, weil dabei die sinnvolle Arbeit sozialer Unternehmen in ein schlechtes Licht gerückt wird. Dabei wäre es wichtig, einige Aspekte dieser Arbeit auch unter ökonomischen Gesichtspunkten zu betrachten. Zuerst sei die Tatsache genannt, dass es sich bei sozialen Organisationen auch um wirtschaftlich arbeitende Unternehmen handelt, deren Jahresumsätze mehrstellige Millionenbeträge übersteigen können. Dabei darf jedoch das Ziel der gemeinnützigen Organisationen nicht aus den Augen verloren werden, das in der Erfüllung sozialer Aufgaben liegt.

Michail Siebenmorgen,

Berlin-Kreuzberg

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