Leserbriefe : Gefährdete Kinder den Ämtern melden

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„Das Kindeswohl als Fall für den Arzt“

vom 27. November 2005

Die Empörung breiter Bevölkerungsteile vor dem Hintergrund der letzten Kinderschutzfälle ist verständlich. Wenn knapp 90 Prozent einer nicht repräsentativen Telefonaktion des Tagesspiegels für eine verpflichtende ärztliche Untersuchung eintreten und der Oberstaatsanwalt sich für den „Klaps“ in der Erziehung einsetzt, scheinen mir Grenzen verletzt. Was unsere Gesellschaft viel eher braucht, ist die Aufmerksamkeit der Bürgerschaft. Bei der vermuteten Gefährdung des Kindeswohls kann es kein „Wegsehen“ geben. Die Würdigung bürgerschaftlichen Engagements ist in vielen Bereichen anerkannt und gewollt. Im Rahmen der Debatte um Kindeswohlgefährdung wird von „Denunziation“ gesprochen. Das scheint mir verantwortungslos. Die Mitarbeiter der Berliner Jugendämter sind gehalten, bei dem Verdacht der Kindeswohlgefährdung Hinweisen nachzugehen und dem mitteilenden Bürger sollte auch mitgeteilt werden, ob eine Gefährdung vorliegt.

Henning Till, Leiter des Jugendamts Tempelhof-Schöneberg

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