Leserbriefe : Geschmack braucht keinen Verstärker

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Zur Absetzung der „Idomeneo“-

Inszenierung an der Deutschen Oper

Toleranz gegenüber Intoleranten heißt: Integration gescheitert. Unfassbar: Selbstzensur unter dem Deckmantel von Sicherheit und Respekt vor Gefühlen von Muslimen. Fällt da eigentlich noch jemandem auf, dass Gefühle von Christen oder Buddhisten gar keine Rolle mehr spielen? Was ist denn bloß aus diesem Land geworden? In welchem gesellschaftlichen Klima leben wir mittlerweile? Anstatt mutig den gesellschaftlichen Dialog zu suchen - und dazu gehört essenziell Kontroversität - weicht man feige zurück.

Lothar Kopp, Berlin-Mariendorf

Die Absetzung der „Idomeneo“-Aufführung ist ein Akt der vorauseilenden Unterwerfung unter religiösen Fanatismus. Ich sehe die Schuld an der Misere aber nicht bei der Intendantin Frau Harms. Ich sehe sie bei der jahrelang seitens der Multikulti-Ideologen gepredigten Toleranz gegenüber der Intoleranz. Sie erklärt auch die Zurückhaltung vieler friedlicher Muslime bei der Verurteilung islamistischen Terrors. Wie können wir von den friedlichen Muslimen Widerstand gegen religiöse Fanatiker erwarten, wenn wir selbst dazu zu feige sind?

Dr. Kurt Hauschild, Berlin-Karow

Herzlichen Glückwunsch, Deutsche Oper, für die gelungene PR-Aktion zu Beginn einer doch eher zögerlich angelaufenen Spielzeit! Endlich ist das Haus wieder in den Schlagzeilen. Und dann auch noch für eine „künstlerische“ Leistung mit der die Werte des Abendlandes verteidigt werden. Besser könnte es nicht laufen! Dass es dabei weder um die Musik Mozarts geht noch um sonst irgendwelche musikalischen Leistungen seitens des Ensembles, fällt dabei kaum auf, wagt doch endlich mal wieder ein Regisseur ungeschminkt die Meinung zu sagen. Das aufgeregte Feuilleton und die lautstarken Solidaritätsbekundungen der Politik werden die Öffentlichkeit wachrütteln, endlich mal wieder in die Deutsche Oper zu gehen.

Christiane Bayer, Berlin-Tempelhof

Es lässt sich trefflich darüber streiten, ob wirklich „alle“ diese Mozart-Inszenierung sehen wollen. Meine Frau und ich nicht. Denn die Medien überschütten uns täglich mit grauenhaften Bildern aus aller Welt; da muss ich mich nicht noch in einer Operninszenierung mit abgeschlagenen Köpfen, die wem auch immer zuzuordnen sind, konfrontiert sehen. Es ist schon traurig, wenn sich Regisseure in Oper und insbesondere Theater heutzutage nur noch mit diesen "Geschmacksverstärkern" zu helfen wissen.

Bernd-R. Klinge, Berlin-Frohnau

Wenn die Absetzung des „Idomeneo“ mit Sorge vor islamistischen Überreaktionen begründet wird, so mag das zeigen, dass die künstlerische Freiheit nicht grenzenlos sein kann und darf. Der Mut, diese Inszenierung abzusetzen, zeugt von Weitsicht und Respekt vor den Gefühlen anderer. Das gilt für Christen, Muslime und Buddhisten gleichermaßen.

Hilmar Benkmann, Henstedt-Ulzburg

Dass Frau Harms entschieden hat, die Oper „Idomeneo“ abzusetzen, ist aus ihrer Sicht vollkommen nachzuvollziehen. Man stelle sich nur vor, wie man über sie hergefallen wäre, wenn sie die Oper trotz der vom Innensenator erklärten Sicherheitsbedenken hätte aufführen lassen und es zu einem Anschlag gekommen wäre!

Michael Jaab, Berlin-Charlottenburg

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