Leserbriefe : Gesetzlich Versicherte werden schlecht behandelt

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Betrifft: „In der Hand des Doktors“ und „Etwas erleichtert“ vom 19. April sowie „Praxisgebühr – Berliner meiden den Arzt“ vom 22. April 2004

War die Gesundheitsreform so gedacht, wie meine Erfahrungen der letzten Tage zeigen?

Beim Hausarzt bezahlte ich zehn Euro und bat um einen Überweisungsschein zum Gynäkologen, um die jährliche Krebsvorsorgeuntersuchung durchführen zu lassen. Die Frage der Sprechstundenhilfe dort: „Möchten Sie die Untersuchung, die von der Kasse erstattet wird? Diese schließt jedoch die wesentlich genauere Ultraschalluntersuchung nicht ein.“ Ich entschied mich für die Ultraschalluntersuchung, man kann ja nicht wissen. Kosten für Brust und untere Regionen: 50 Euro.

Mein Frauenarzt gab mir eine Überweisung zur Mammographie, da die letzte Untersuchung schon fünf Jahre zurücklag. Ich rief dort an: „Wie sind Sie versichert?“, fragte die Sprechstundenhilfe. „KKH“, antwortete ich. „Möchten Sie die normale Untersuchung, die von Ihrer Kasse erstattet wird? Dafür kann ich Ihnen leider erst einen Termin im Juli geben.“ – „Welche andere Möglichkeit gibt es?“ – „Die Untersuchung mit unserem neuen Gerät ist wesentlich geringer in der Strahlenabgabe. Leider gibt die Kasse hierfür keinen Zuschuss. Die Untersuchung kostet 129 Euro.“ – „Wann könnte ich für diese Untersuchung einen Termin bekommen?“ – „In etwa einer Woche.“

Wäre ich in der Privatversicherung, müsste ich sicherlich solche Fragen nicht beantworten. Ich bin jedoch gesetzlich versichert. Dazu muss immer wieder gesagt werden, dass der Normalverbraucher ja gar nicht die Möglichkeit hatte, sich privat zu versichern, weil die Krankenversicherung eine Pflichtversicherung ist.

„Frau Schmidt, streben Sie diese Zweiklassengesellschaft an?“, nur so kann meine Frage lauten.

Ich schreibe Ihnen, weil ich nicht weiß, wo ich sonst meinen Ärger, meine Erschütterung oder wie auch immer ich das bezeichnen soll, lassen kann.

Ingrid Bohnsack-Weise,

Berlin-Charlottenburg

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