Leserbriefe : Gesucht: längerfristige Perspektive

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„Bildungssenator will pensionierte Lehrer einstellen“ vom 9. Februar

Senator Zöllners Sprecher Frisse weist den Vorwurf zurück, dass die Nichtverbeamtung die Lehrerknappheit verschärfe. Das allein ist vielleicht kein Grund dafür. Dass aber in anderen Bundesländern neben der sofortigen Verbeamtung und der deutlich besseren Bezahlung auch noch weniger Stunden unterrichtet werden müssen, fällt unter den Tisch. Für mich als Lehramtsstudent kurz vor dem Examen sind das drei starke Argumente, meiner geliebten Heimatstadt Berlin den Rücken zu kehren.

Peer Ammerlahn, Berlin-Schöneberg

Pensionierte oder beurlaubte Lehrer, sollten sich nicht verführen lassen, so verlockend das Angebot des Bildungssenators auch sein mag, wieder Schulluft zu schnuppern. Diese Hilfsbereitschaft ginge auf Kosten aller gut ausgebildeten, jungen, arbeitslosen Lehrer, die in den Startlöchern kauern, um endlich eine Stelle in ihrem erlernten Beruf zu bekommen. „Aber um Himmels willen, warum bewerben sich diese denn nicht?“, werden Sie mit Recht fragen.Und das ist genau der Knackpunkt. Diese jungen Pädagogen, die noch optimistisch in Berlin auf eine Stelle warten, aber natürlich zwischenzeitlich nicht auf dem Wartebänkchen sitzen können, weil sie sich selbst und zum Teil ihre Familien ernähren müssen, haben ergriffen, was sich ihnen bot: Aushilfen, Arbeit in anderen Berufen, im Umland, in Privatschulen … Für eine befristete Anstellung bis zu den großen Ferien können sie unmöglich ihren jetzigen Arbeitsplatz aufgeben, um dann wieder auf der Straße zu stehen. Sie sind angewiesen auf eine Stelle mit einer längerfristigen Perspektive.

Hella Schacher, Berlin-Zehlendorf

Alle Jahre wieder kann ich da nur feststellen, dass der Bedarf an Lehrkräften über Schlupflöcher gestopft werden soll. Diesmal sind es die pensionierten Lehrer. Vor zweieinhalb Jahren sollten es Lehrer ohne Referendariat sein. Und passiert ist fast nichts, um die Misere aufzuhalten. Bis nach Saarbrücken sind fertige Lehrer „ausgewandert“, um in ihrem Beruf arbeiten zu können. Wie viele ausgebildete Lehrer muss Berlin noch an andere Bundesländer verlieren, bis endlich etwas geschieht. Teilzeit- bzw. befristete Verträge müssen der Vergangenheit angehören, ebenso die Bezahlung den anderen Bundesländern angeglichen werden.

Henrike Findikgil, Berlin-Friedenau

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