Leserbriefe : Gesundheitsministerin Schmidt hat in ein Wespennest gestochen

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„Ende der Privilegien?“

vom 18. November 2005

Die nächste Regierung ist noch nicht einmal im Amt, Frau Merkel noch nicht zur Bundeskanzlerin gewählt, da versucht die gegenwärtige und zukünftige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt mit einer Dreistigkeit sondergleichen, das Reformmodell ihrer Partei, die Bürgerversicherung, zum Sieg zu führen. So, als bestünde die rot-grüne Regierung auch weiterhin, als hätte es überhaupt keine Bundestagswahl gegeben. Für Gerhard Schröder war es nach der verlorenen Wahl selbstverständlich, dass er Kanzler bleibt, für Ulla Schmidt ist es selbstverständlich, dass es ausschließlich die Bürgerversicherung geben wird. In welchen geistig-moralischen Regionen schweben diese Herrschaften eigentlich?!

Dr. Michael Biernat, Berlin-Steglitz

Ministerin Ulla Schmidt hat in ein Wespennest gestochen, indem sie etwas ganz Selbstverständliches ausgesprochen hat. Kassenpatienten und Privatpatienten sollen gleich behandelt werden. Der Zeitpunkt ist geschickt gewählt, ganz gleich, was politisch geschieht, das Thema ist auf der Tagesordnung. Es darf erinnert werden:

Selbstständige Ärzte haben in der Bundesrepublik Deutschland jahrzehntelang überdurchschnittlich gut verdient. Das System – Arzt/Versicherung/Patient – gab das her. Der Arztberuf war – insbesondere finanziell – so attraktiv, dass der Zugang zur Ausbildung rigoros reglementiert werden musste. Nur die Besten eines Abiturjahrgangs durften Medizin studieren, nicht jeder tat dies aus Neigung. Keiner kann heute beurteilen, wie viel Potenzial durch diese groteske Situation der Volkswirtschaft im Übrigen verloren gegangen ist. Es muss wie eine Ironie des Schicksals anmuten, dass gerade diese Generation den heutigen Problemen ausgesetzt ist. Das System funktioniert nicht mehr wie früher. Dieser Zustand macht unzufrieden und „Not“ erfinderisch. Die Gebührenordnung gibt den Ärzten bei Privatpatienten einen durch Selbsteinschätzung gewonnenen Spielraum, die Liquidationen werden immer ausgeklügelter, auch bei ganz harmlosem Tun wimmelt es nur von Begriffen wie „große Organsysteme“ und „lebensverändernde Umstände“.

Der Patient wird weder durch seine Versicherung noch durch Beihilfebehörden (bei Beamten) zur kritischen Kontrolle ermuntert; läuft das System aus dem Ruder, werden die Beiträge erhöht und die Beihilfe gesenkt. Die Politik legte bisher den Mantel des Schweigens über das ganze System, um die Ärzteschaft nicht noch mehr zu provozieren, dem kritischen Patienten bleibt das unbehagliche Gefühl, dass er letztlich etwas hinnimmt, was er sonst im Geschäftsverkehr nie tolerieren würde.

Hans-Jürgen Krzyweck,

Berlin-Lichterfelde

Mit einiger Verwunderung habe ich von der ungerechten Bevorzugung von Privatpatienten gelesen. Obwohl wir auch Privatpatienten sind, konnten wir leider eine solche Erfahrung nicht machen, da wir im Allgemeinen bei Ärzten sind, die eine Bestellpraxis haben. Dort wird wenigstens hier der Reihenfolge nach zur Beratung aufgerufen. Wartezeiten, die im Normalfall eine halbe bis zu einer Dreiviertelstunde dauern, sind durchaus üblich. Bei Spezialärzten mag das anders sein. Einen anderen Vorteil haben wir allerdings, wir bekommen die Rechnungen zu sehen. Dabei mussten wir im Laufe der Jahre feststellen, dass die Neigung zu Schummeleien in Krankenhäusern größer ist als in den Arztpraxen. Wohl bemerkt: nicht bei allen!

Aber das ist nicht Ihr Thema!

Irmgard Peters, Berlin-Frohnau

„Klassenkampf im Wartezimmer“

vom 18. November 2005

Im Kommentar steht: „Es ist auch politisch legitim, gegen die privaten Versicherungen zu kämpfen.“ Welcher Linksruck im Tagesspiegel! Es wäre doch legitimer, gegen die Zwangsversicherung für Verdiener unterhalb einer willkürlich vom Staat verordneten Beitragsbemessungsgrenze „zu kämpfen“. Wie sonst sollte die oft beschworene Eigenverantwortung des Bürgers entstehen?

Wolfgang R. Irmscher, Langenhagen

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