Leserbriefe : Gibt es noch „den Kapitalismus“?

„Auf Tand gebaut“ vom 7. Januar

Nach Lektüre dieses Artikels ist man als wirtschaftspolitisch interessierter Mensch einfach nur sprachlos. Der Grad der tendenziösen Zurechtlegung von Fragmenten um das eigene Vorurteil des vermeintlich maroden abgewirtschafteten und amoralischen Kapitalismus ist geradezu kindisch. Dies am Thema Architektur aufzuhängen offenbar nur ein billiger Vorwand, um dann undurchdachten Salbader zu verbreiten. Der Autor ist damit sicher nicht allein, wie auch mit seiner Meinung nicht. Natürlich kann und darf Meinung im Kulturteil auch über Wirtschaft und Wirtschaftsprinzipien verbreitet werden. Aber wo bitte ist hier der Funke eines originellen oder neuen oder sonstwie erhellenden Gedankens? ''Der Kapitalismus'' - was soll ich mir hier vorstellen? Allein die Diskussion um ''den Kapitalismus'' ist eine überholte Grenzziehung. Krisen sind tatsächlich Phänomene selbsttätiger Korrekturen. Man könnte von Staatsmonopolistischem Kapitalismus nach Marx reden - im Resultat Dirigismus sozialistischer Prägung. Wir haben jetzt wirklich große Probleme und zweifellos Diskussionsbedarf im Lande - aber doch nicht mit dem Mindset von 1930: „Du böser Kapitalismus Du ... und statt Dich zu schämen, baust Du in Arabien Hochhäuser."

Michael Keuntje, Berlin-Tiergarten

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