Leserbriefe : Globalisierung macht vor Verlagen nicht Halt

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„Holtzbrinck verkauft Berliner Verlag“

vom 26. Oktober 2005

Der Verkauf des Berliner Verlages an eine britische Investorengruppe mag bei den direkt betroffenen Beschäftigten Angst auslösen. Das ist verständlich, denn neue Verlagsherren pflegen mit eisernen Besen nicht nur Staub aufzuwirbeln, sondern auch auszukehren, was aus ihrer Sicht Abfall ist. Es wäre schlimm, wenn der öffentliche Auftrag der Presse, die journalistische Qualität und die Meinungsfreude einem auf kurzfristige Gewinnmaximierung ausgerichteten Kommerzjournalismus weichen würden – egal, ob der neue Verleger einen deutschen oder einen britischen Pass besitzt. Europäer sind wir allemal und der westlichen Kultur verbunden. Und als Journalisten ach so weltoffen. Wir bejahen die Globalisierung, und es führt ja auch kein Weg am Zusammenwachsen der Weltwirtschaft vorbei. Doch vor dem eigenen Pressehaus möge die Globalisierung, bitte sehr, anhalten! Was aber wäre die Alternative?

Dichtmachen.

Viele Regionalverlage kämpfen ums Überleben, wir aber beschwören das vorgestrige Leitbild einer nationalen Presse. Seien wir doch froh, dass ausländische Investoren hierzulande investieren wollen, so wie deutsche Pressekonzerne das ja längst im Ausland tun.

Jürgen Friedenberg, ehem. stellvertretender Chefredakteur der Mainzer „Allgemeinen Zeitung“, Mainz

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