Leserbriefe : Große Emotionen

Zur Berichterstattung über die Luftbrücke vom 12. Mai

Mit großen Emotionen habe ich die Seite drei vom heutigen Tage gelesen, denn auch ich gehöre zu den ehemaligen „Schweizerkindern“. Unser Transport sollte im September 1948 vom Bahnhof Grunewald abfahren, aber Querelen mit der sowjetischen Administration verhinderten die Abfahrt, der vollbesetzte Zug stand da und es dauerte ein oder zwei Tage, bis die anderen Alliierten und das Schweizer Rote Kreuz durch ihre Interventionen die Abreise der Kinder doch noch ermöglichten. Der Tagesspiegel berichtete damals darüber, aber auch noch einmal 25 Jahre später in der entsprechenden Rubrik.

Über die Zu- und Umstände im Zug durch die verzögerte Abfahrt will ich hier nicht weiter berichten, nur, dass die begleitenden Schwestern des Roten Kreuzes mit unendlicher Geduld die Kinder betreuten. Die drei Monate in der Schweiz sind mir mein ganzes Leben lang als eine helle, lichte Zeit in Erinnerung, die Pflegeeltern als liebevolle Menschen, wobei leider – und für mich sehr schmerzlich – der Kontakt hinterher nicht aufrechterhalten wurde. Diese Zeit habe ich auch immer in dankbarer Erinnerung und versuchte im Verlaufe meines Lebens anderen Menschen, die in Not waren, etwas davon zurückzugeben. Denn aus dem zerstörten und grauen Berlin für eine kurze Zeit so etwas Wunderbares, wie den Aufenthalt in der Schweiz (Interlaken), erleben zu dürfen, war ein Privileg, das man nicht als Selbstverständlichkeit ansehen kann, schon gar nicht in der damaligen Situation.

Karin Tens, Berlin-Zehlendorf

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