Leserbriefe : Grüne Fußgängerampeln sind trügerisch

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Betrifft: „Gefährliche Wege“ vom 26. September 2003

Mit Entsetzen habe ich Ihren Bericht zum Tod des 7jährigen Schülers unserer Schule gelesen. Sie stellen lapidar fest, dass Joscha bei Grün die Straße überquerte und der im Stau stehende LKW die Kreuzung freiräumen musste. Dass den LKW-Fahrer die Schuld am Unfall trifft, verschweigen Sie. Stattdessen lassen Sie sich im Folgenden über das Einzugsgebiet der Schule, über Fahrradhelme, über mangelnde Aufsicht der Eltern und über anderlei Dinge aus. Das ist nicht nur eine Verhöhnung des Leids der Eltern des Kindes, nein, es trifft auch das Problem überhaupt nicht. Versuchen Sie doch einmal, den Weg zur Schule aus der Perspektive eines Kindes zu sehen: Fußgängerampeln geben eine trügerische Sicherheit, weil abbiegende Fahrzeuge Kinder einfach nicht beachten, weil z.B. am Unfallort Fahrzeuge hektisch in die zugestaute Kreuzung hineinfahren (allein das ist schon verboten) und weiterbrausen, wenn der Stau sich auflöst – dass die Fußgänger schon Grün haben, stört da nur. Rücksichtslosigkeit und Intoleranz bei den Erwachsenen im Straßenverkehr nehmen so erschreckend zu, dass sich ein Schreiben über Schuld der Kinder, der Eltern oder der Schulen nun wirklich verbietet.

Severin Höhmann, Berlin-Prenzlauer Berg

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