Leserbriefe : Heime dürfen nicht nur sich selbst kurieren

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„Immer mehr in Angst vor Pflegeheimen“ und „Sterben und Sterben lassen“ vom 28. September 2005

Tja, Herr Gohde, dann definieren Sie als DiakoniePräsident mal schön und allerchristlichst an einer zukünftigen „Basispflege“ herum, die sich annähernd ein Drittel der befragten, selbst vermutlich mit der Perspektive Seniorenresidenz alternden über 50-Jährigen kaltherzig für ihre armen und ärmsten Mitmenschen in Deutschland wünschen. In den Genuss dieser Basispflege werden vor allem Frauen kommen, die unbezahlt und sozial nicht versichert die Hauptarbeiten in den Familien zu leisten hatten oder gesellschaftlich wichtige Dienstleistungen in mickrig bezahlter Teilzeit erbrachten.

Wie gut trifft es sich da, dass der Sterbehilfeverein Dignitas (Würde) bei uns eine erste Filiale installiert: 2500 Euro sind zwar immer noch ein bisschen happig, aber unter dem Diktat der „freien“ Marktwirtschaft lässt sich der Preis für das Servicepaket sicher noch drücken, z.B. durch Entsorgung der Asche irgendwo hinter dem Ural. Oder es findet sich im „Wettbewerb“ eine Bank, die Sparplan oder Ratenkredit anbietet, bzw. eine private Sterbehilfeversicherung – Frauen zahlen selbstverständlich mehr als Männer, wie das so üblich ist in der Branche.

Chris Siméon,

Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf

„Ich hatte ständig ein schlechtes Gewissen“ vom 19. September und „Pfleger arbeiten nicht wegen des Geldes“ vom 25. September 2005

Frau Rahmel hat offensichtlich nichts verstanden: Die Intention des interviewten Autors richtet sich nicht gegen das Pflegepersonal bzw. engagierte Pflegedienstleitungen, sondern gegen die geballte Ignoranz und Menschenverachtung in den Verwaltungsetagen von Heimleitungen und Klinikkonzernen. Dort steht die Gewinnmaximierung meist an erster Stelle und wird gegen Bewohner und eigenes Pflegepersonal durchgesetzt.

Dies kann so weit gehen, dass auf Kosten der Heimbewohner Heizkosten gespart werden: so geschehen in den letzten vier Wintern in einer uns bekannten Einrichtung.

Wir halten uns täglich in einer Berliner Pflegeeinrichtung auf und können fast jedes Wort des Interviews bestätigen. Wir hätten uns an einigen Stellen allerdings deutlich drastischer ausgedrückt. Die oben genannte Einrichtung hat die Umstellung von staatlich betriebenem Pflegeheim zur Teilprivatisierung erlebt: Seit die Betriebswirtschaftler die Regie übernommen haben, werden die Interessen der Bewohner nicht mehr wahrgenommen.

Dr. Christian Agthe,

Dr. Susanne Herting-Agthe,

Berlin-Reinickendorf

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