Leserbriefe : HERTHA BSC Wann läuft Preetz wieder auf?

Unser Leser Johann Helm setzt auf die Reaktivierung des Fußballers. Ex-Nationalspieler Michael Preetz sagt: Eine Rückkehr würde Monate dauern

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Zu: „Mehr Aktionismus wagen“ vom 2. Februar und „Ein letzter Versuch“ vom 3. Februar 2004

Hertha BSC muss jetzt nach dem Fehlstart in die Rückrunde alle Möglichkeiten ausschöpfen, die Aussicht auf Erfolg bringen könnten.

Ich setze deswegen auf eine Reaktivierung von Michael Preetz. Er ist für fast alle Spieler noch eine Führungsperson, ist vom „Unsicherheits-Virus“ nicht befallen, der die Stürmer vor dem Tor versagen lässt, und kann so etwas wie eine Initialzündung für die Rückrunde sein.

Man stelle sich nur vor, Hertha gewinnt gegen Stuttgart durch ein Tor von Preetz – die Mannschaft würde ganz schnell wieder an sich glauben können.

Experimente mit altgedienten Spielern können schief gehen, wie zum Beispiel in Frankfurt mit Andreas Möller und bei Kaiserslautern mit Steffen Freund. Aber erstens sind beide nicht so verwurzelt in der Mannschaft gewesen wie Preetz dies bei Hertha immer noch ist. Und außerdem soll sich niemand am Ende vorwerfen können, nicht alles versucht zu haben.

Johann Helm, Berlin-Reinickendorf

Sehr geehrter Herr Helm,

ich weiß, dass sich Hertha BSC in einer schwierigen Phase befindet. Und glauben Sie mir, nicht nur zum Leidwesen unserer Fans. Und ich verstehe natürlich, dass sich viele Menschen Gedanken machen. Wir, die wir täglich für den Verein arbeiten, müssen jetzt zusammenstehen und unsere Anstrengungen und Kräfte bündeln. Ich tue das seit dem vergangenen Sommer nicht mehr als Spieler auf dem Rasen, sondern an der Seite des Managements bzw. der Geschäftsführung.

Ich kenne die augenblickliche Diskussion um meine Person. Ich verfolge im Internet das Forum der Hertha-Fans, einige schreiben mir persönlich oder sprechen mich einfach darauf an. Für mich aber wird es kein Zurück mehr geben. Im vergangenen Sommer habe ich meine aktive Karriere als Spieler mit einem Abschiedsspiel beendet. Bitte gehen Sie davon aus, dass ich mir dabei etwas gedacht habe. Diese Entscheidung ist endgültig.

Eine Rückkehr auf dem Rasen gibt es auch aus physischen oder, wenn Sie so wollen, aus sportlichen Gründen nicht. Ich stehe seit mittlerweile acht Monaten nicht mehr im regelmäßigen Training. Da hilft keine Erfahrung oder, wie Sie schreiben, tiefe Verwurzelung in der Mannschaft. Vergleichen kann man das vielleicht mit einer langen, schweren Verletzungspause. Eine Rückkehr dauert sehr lange, übrigens nicht selten so lange wie die Verletzungspause selbst. Und in einem Alter von fast 37 Jahren fällt es nicht gerade leicht, einen solchen Rückstand aufzuholen. In meinem Fall halte ich eine Rückkehr auf die Bundesliga-Bühne für unmöglich. Die Anforderungen sind nicht geringer geworden. Meine Zeit ist einfach abgelaufen. Ich kann Ihnen versichern, dass das für jeden Leistungssportler eine schwierige, bisweilen sogar schmerzliche Erkenntnis ist. Ich war ein Fußballspieler aus Leidenschaft. Ich liebe diesen Sport noch immer. Aber ich kann und ich werde diesen Sport nicht mehr aktiv in der Bundesliga ausüben.

Ich bin weiterhin für Hertha BSC da, nur eben nicht mehr unmittelbar auf dem Fußballplatz. Aber alles in meiner Macht Stehende bringe ich für den Verein auf. Jetzt allerdings an einer anderen Stelle. In meiner neuen Funktion kümmere ich mich um die Abläufe rund um die Mannschaft. Ich bin also nah genug dran, ich stehe im regelmäßigen Kontakt. Die Spieler wissen, dass ich jederzeit für ein Gespräch zur Verfügung stehe - wenn es denn gewünscht wird. Aber regeln müssen es die Spieler letztlich auf dem Platz. Da hört mein Einfluss auf.

Michael Preetz ist mit 84 Toren Rekordtorschütze des Berliner Bundesligisten und arbeitet heute als Assistent der Geschäftsführung von Hertha BSC .

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