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Leserbriefe : Hertha: Kult lässt sich nicht per Knopfdruck erzeugen

21.03.2010 00:00 Uhr

„Berlin und Hertha / Verlierer sind wir alle“ von Gerd Nowakowski vom 15. März

Nein, nicht alle sind Verlierer. Es gibt viele Berliner, die sich für Fußball überhaupt nicht interessieren. Fußballspieler, die sich für Geld auf dem Rasen tummeln und verrenken, sind Artisten wie im Zirkus. Das kann sich ansehen, wer will. Aber daraus sollte man doch keine Staatsaktion machen. Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene sollten Fußball spielen aus Freude am Sport, an der Bewegung, am Miteinander in einer Mannschaft, aber bitte nicht gegen Geld! Da gewinnt dann mal der eine, mal der andere – na und? Das Berliner Lebensgefühl bekommt einen Knacks durch Herthas Fall? Berlin hat viel mehr zu bieten als Fußball und als Hertha.

Eva-Maria Birth, Berlin-Lichterfelde

Das war ein Text aus meiner Seele, und ich bin Arminia-Bielefeld-Fan. Es geht um die Stadt, in die wir gekommen sind, um hier Erfolg zu haben. Da muss auch eine prollige Hertha in unserem Sinne sein. Vielleicht kommt die Hertha in der Stadt an, wenn sie im Jahn-Sportpark in der zweiten Liga spielt und der Prenzlauer Berg sich sie verliebt … Vielleicht.

Ulf Schinke, Berlin-Prenzlauer Berg

Nun müssen wir also mit Herthas Abstieg rechnen. Aber bei aller Enttäuschung in Berlin als Hertha-Stadt wie als Hauptstadt: Fällt denn niemandem auf, dass damit zugleich eine sich seit Jahren abzeichnende Entwicklung kulminiert, nämlich der Abstieg ganz Ostdeutschlands aus der immer noch so genannten Bundesliga? Falls nicht noch ein Wunder geschieht, wird es in der nächsten Saison östlich der Elbe keinen Erstligisten geben, zumal die drei „Ostvereine“ in der Zweiten Liga (Union Berlin, Cottbus und Rostock) sämtlich in der unteren Tabellenhälfte dümpeln. Wenn man sich vor Augen hält, in welchem Maße sich nicht nur „die Berliner“, sondern „die Deutschen“ über den Fußball definieren, das heißt, wie dieser Sport und seine Organisationsstruktur das Selbstbewusstsein der Nation bestimmt – erinnert sei an die WM 1954, natürlich auch 2006, dann kommt man nicht umhin festzustellen, dass im 20. Jahr des vereinigten Deutschland die Bilanz der Einheit an diesem Punkt erheblich getrübt wird. Der DFB ist ein Alt-BRD-Verband, aber das ist offenbar, auch für ihn selbst, kein Thema.

Dr. Michael Jenne, Berlin-Wannsee

Hertha mag fraglos der erfolgreichste Fußballverein Berlins sein. Aber: Was ist abgesehen vom Status seiner Heimatstadt das Unterscheidungskriterium dieses Clubs gegenüber anderen Mittelklassevereinen dieses Landes? Was ist die Bereicherung für Berlin, die Hertha im Gegenzug zum geschenkten Hauptstadtetikett zurückgezahlt hat? Es fällt schwer dies zu beantworten, besonders nach den Bildern der letzten Woche. Hertha hat stets versucht dem von Fans und Vereinsverantwortlichen ersehnten Begriff des Hauptstadtkults gerecht zu werden und ist kläglich daran gescheitert. Kult lässt sich eben nicht auf Knopfdruck erzeugen und die Hauptstadt Berlin hat sowieso einen anderen Charakter, als ein blauweißer Plüschbär, der minutenlang fahnenschwenkend um das Spielfeld fährt.

Berlin wird wohl nie die strahlende Hauptstadt sein, aber das wäre aus meiner Sicht auch nicht wünschenswert. Diese Stadt ist eben sie selbst – weder glatt noch elegant und doch eine Einzigartigkeit in sich, ob erfolgreich oder nicht. Und so braucht sie auch nicht unbedingt einen Bundesligisten, um ihr berechtigtes Selbstvertrauen zu erhalten. Ich habe daher nach dem voraussichtlichen Abstieg von Hertha BSC wenig Angst um meine Heimatstadt.

Steffen Lembke, Berlin-Friedenau

„Das Hertha-Drama. Berlin diskutiert über den möglichen Abstieg“ vom 15. März

Man schlägt nichts Böses ahnend die Zeitung auf, da muss man als Ex-Meppener, naturalisierter Berliner und Hertha-Beobachter übellaunige und frustrierte Häme von Fans zur Kenntnis nehmen, die über den seinerzeit großartig aufspielenden SV Meppen auch nachträglich mit immer den gleichen Stereotypen aufwarten. Wir lesen wieder mal davon, dass die Verhältnisse im Meppener Stadion ach so schrecklich gewesen sein sollen, dass es überhaupt eine Zumutung war, die eigene Mannschaft gegen so einen Verein spielen sehen zu müssen. Wir lesen aber nichts davon, dass sich der SV Meppen trotz beschränkter finanzieller Mittel mit Hartnäckigkeit und emsländischer Solidität über zehn Jahre wacker in der 2. Bundesliga geschlagen hat. Wir lesen auch nichts davon, dass sich die Hertha-Fans einst vor der sensationellen Hauptstadtkulisse von bestenfalls 3000 Zuschauern im grässlich überdimensionierten Olympiastadion bei so originellen Gesängen wie „Zieht den Meppenern die Gummistiefel aus …“ erklären lassen mussten, dass Hochmut vor dem Fall kommt.

Tja, liebe Hertha-Fans, deren Ansehen sich wegen unterbelichteter Rasenstürmaktionen einiger eurer Mitstreiter nicht eben verbessert hat, auf unser Mitgefühl dürft ihr nun nicht mehr hoffen.

Gero Riekenbrauck,

Christina Lammers, Berlin-Moabit

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