Leserbriefe : Hundertjährige haben eine gute Rendite

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Betrifft: „Rentner bekommen weniger als eingezahlt“ vom 13. Juli 2003

In der aktuellen Diskussion über die gesetzliche Rentenversicherung spielen nicht nur die absoluten Höhen der Renten eine Rolle, vielmehr wird in letzter Zeit verstärkt auch die Frage gestellt, ob sich die Beitragszahlungen zur gesetzlichen Rentenversicherung gelohnt haben. Der Leser Ekkehard Ries behauptet, die Versicherten bekämen weniger an Rente heraus, als sie an Beiträgen eingezahlt haben. Wer so etwas „vorrechnet“, verschweigt gerne die Annahmen, die einer solchen Rechnung zugrunde liegen. Ein Versicherter, der am Tage seines 65. Geburtstages stirbt, erzielt eine schlechte, ein hundertjähriger Rentner dagegen eine hohe Rendite. Der Versicherte, der bereits in jungen Jahren erwerbsunfähig wird, bekommt eine Rente, die so berechnet wird, als hätte er bis zu seinem 60. Lebensjahr weiter gearbeitet und Beiträge gezahlt. Auch ein solcher Schutz will bezahlt sein, aber keine private Versicherung wird ihn zu solchen Bedingungen gewähren. Eine Gegenüberstellung der Rentenbeiträge mit privaten Vermögensanlagen ist unseriös, weil sie den Charakter einer Versicherung dieser „biometrischen Risiken“ ignoriert. Auch der Autofahrer, der keinen Unfall hat, erzielt in seiner KfzVersicherung eine „negative Rendite“. Dennoch würde niemand auf die Idee kommen, ihm vom Abschluss einer Versicherung abzuraten.

Und seien wir einmal ehrlich, ist auf die Renditen des Kapitalmarkts Verlass? Wer es sich leisten kann, Risiken zu tragen, kann versuchen, sein Alterseinkommen durch Finanzmarktgewinne aufzubessern. Eine langfristige Sicherheit dafür, dass alle alten Menschen am Wohlstand der Nation teilhaben können, bietet nur das Umlageverfahren in der gesetzlichen Rentenversicherung.

Andreas Polster, Pressereferent des Verbandes Deutscher Versicherungsträger, Frankfurt am Main

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