Leserbriefe : Ich glaube ihm nicht, dass die Erde sich dreht

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Zu Jeff Gedmins Erwiderung

auf Harald Martensteins Meinungsbeitrag zu George W. Bush

So, so, Jeff Gedmin ist verwirrt. Martenstein habe ihm nicht hinreichend klar gemacht, „weshalb so viele Europäer George W. Bush hassen.“ Gedmin hat nicht gefragt, warum alle Europäer Bush hassen, nur, warum es so viele seien.

Und indem Gedmin Martensteins Zahl von 600 000 toten Irakern anzweifelt, glaubt er, ihm den Boden unter den Füßen wegziehen zu können. Diese Zahl wird tatsächlich angezweifelt. Doch gleichgültig, wie hoch die Zahl genau ist – niemand darf erwarten, dass die Hinterbliebenen dieser Menschen George W. Bush voller Dankbarkeit umarmen.

Leider geht Gedmin überhaupt nicht auf Martensteins andere Argumente ein, zum Beispiel, dass Bush gelogen hat und noch lügt. Mir als US-Bürger war nichts peinlicher als Außenminister Powells Auftritt vor dem UN-Sicherheitsrat, bei dem er angebliche Beweise für Saddams Massenvernichtungswaffen vorlegte. Schlimmer war bloß noch Bushs Inszenierung vom 1. Mai 2003, als er im Fliegerhabit auf dem Deck der USS Lincoln „mission accomplished“ rief.

Abgesehen von solchen Lügen: Von vornherein hat Bush dem Kyoto-Protokoll eine Nase gedreht; er hat verhindert, dass die USA dem Internationalen Gerichtshof beitreten, er und seine Berater haben sich vor die wahren Schuldigen von Abu Ghraib gestellt, und er hat gelogen, als herauskam, dass er auf verfassungswidrige Weise Amerikaner ausschnüffelt, er hat versucht, die Staatsmacht auf die Zeitungen zu hetzen, die diese Nachricht bekanntmachten; er hält ohne fairen Prozess hunderte Menschen auf Guantanamo fest und grinst hämisch, während er lügt. Ich würde Bush inzwischen nicht einmal glauben, wenn er mir sagen würde, dass die Erde sich dreht.

Michael S. Cullen,

Berlin-Charlottenburg

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