Leserbriefe : In Bayern studieren ist anders

„Neid auf Berlins Unis?“ von Anja Kühne und Amory Burchard vom 3. Juli

In dem Artikel ziehen die Autorinnen einen Vergleich zwischen der Hochschulsituation in Bayern und Berlin. Es wird darauf verwiesen, dass die bayerischen Hochschulen 2009 bis 2011 eine Milliarde Euro zur Schaffung zusätzlicher Studienanfängerplätze erhalten.

Fakt ist: Hält Bayern die Studienanfängerzahlen von 2005, bekommt das Land keinen Euro der Hochschulpakt-Bundesmittel. Hält hingegen das Land Berlin die Studienanfängerzahlen von 2005, bekommt das Land 58 Millionen Euro. Wenn Bayern für die Aufnahme von 89 000 zusätzlichen Studienanfängern 880 Millionen Euro vom Bund für die Jahre 2011 bis 2018 erhält, wäre dies im gleichen Umfang in Berlin möglich. Dass Berlin nicht verpflichtet wurde, zusätzliche Studienanfänger aufzunehmen, ist allein dem erfreulichen Fakt geschuldet, dass in Berlin schon jetzt weit überdurchschnittlich Studienplätze angeboten werden. Böten alle Länder im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl so viele Studienplätze an wie Berlin, dann bräuchten wir keinen Hochschulpakt.

Auch die Einführung von Studiengebühren wird in dem Artikel thematisiert. Richtig ist, dass in Bayern Gebühren von 500 Euro pro Semester erhoben werden. Es ist ausdrücklich eine Entscheidung der Berliner Sozialdemokratie, dies nicht zu machen. Viele Studierende würden deswegen sagen: „Gut, dass die FU Berlin nicht in München liegt!“

Kluge Hochschulpolitik ist, ohne die Erhebung von Studiengebühren den Hochschulen beste Bedingungen zu bieten. Das macht Berlin sowohl für die Lehre als auch für die Forschung – die Erfolge bei Hochschulpakt 2020 und Exzellenzinitiative zeigen dies eindrucksvoll. Für sich allein geht keines – es darf nicht heißen Lehre oder Forschung, sondern Lehre und Forschung. Dieser Spagat gelingt der Wissenschaftspolitik in Berlin seit vielen Jahren.

Lars Oberg, wissenschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin

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