Leserbriefe : In Ulm um Ulm herumgeschrieben

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Betrifft: „Mit dem Latein am Ende“ vom 21. Juni 2004

Martin Gehlens Meinung, dieser Katholikentag sei „überflüssig“ gewesen, stand offenbar schon fest, bevor er nach Ulm fuhr. Mit anderem als „Megaereignissen“ und mit „großen Namen“, deren angebliches Fehlen bei der „katholischen Vorstellung“ er schon am 16. Juni (also schon vor der Eröffnung) beklagte, gibt sich ein hauptstädtischer Journalist eben nicht ab. Dazu passt seine schnöselige Charakterisierung Ulms als „provinziell“. Die 35 000 Christen, die sich in Ulm versammelten, wird dies schwerlich interessieren und noch weniger beeindrucken, denn sie wissen, wie sie den Katholikentag erlebt haben.

Herrn Gehlen dient diese Wirklichkeit aber leider nur dazu, nach dem zu suchen, was seinem Vorurteil entspricht. Es stört ihn offenbar auch nicht, dass seine Behauptung vom 21. Juni, „die innerkirchliche Nabelschau“ hätte (mal wieder) „im Vordergrund“ gestanden, keineswegs dem entspricht, was er selbst am 18. und 19. Juni geschrieben hatte. Wichtiger ist ihm wohl, sich in der Stimmung treu zu bleiben, die seine gesamte Berichterstattung über Ulm durchzieht. Und diese ist übelwollend und bösartig.

Man fragt sich, ob Herr Gehlen überhaupt in Ulm war, wenn man seine realitätsentstellende Behauptung liest: „Die meisten Themen, die das Land im Augenblick durchschütteln, blieben außen vor.“ Mit seriöser Information hat das, was Herr Gehlen da produzierte, jedenfalls nichts zu tun.

Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Berlin

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