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Leserbriefe : Intellektueller Murks

21.03.2010 00:00 Uhr

„Missbrauch an Schulen / Gefährlich nah“ von Lorenz Maroldt vom 16. März und „Nähe ist ein Lebensmittel, kein Missbrauch“ von Adolf Muschg vom 15. März

Mein Brief ist Ausdruck von dankender Zustimmung zu Lorenz Maroldt und Ausdruck von Beschämung angesichts des Muschg-Textes, einem wortgewaltigen intellektuellen Murks, der Opfer verhöhnt, Täter und vermeintliche Täter in ihrem „reformpädagogischen“ Handeln zeitgeistig legitimiert und mögliche Kritiker seiner abstrusen Gedanken vorsichtshalber schon mal der „flächendeckenden Heuchelei“ bezichtigt. Kaum, dass Opfer nach Jahren durchlebter Verstörung sprechen, meinen Sie, Herr Muschg, „die andere Seite“ rechtfertigen zu müssen.

Sie leihen ihr Ihre Eloquenz, als würde sie es nötig haben, in ihrem Schweigen oder in ihren formalisierten Entschuldigungsritualen in Schutz genommen zu werden. Sie sprechen von Pranger und Hexengericht und sittenrichterlicher Heiligkeit …, was für ein Irrtum. Ich bedauere es, ich mag es nicht, dass gerade Sie es sind, Herr Muschg, der ihm erliegt.

Marianne Schaff,

Berlin-Charlottenburg

Da haben Sie der Reformpädagogik einen Bärendienst erwiesen, Herr Muschg! Die Aussage: „Damals brauchte er (Gerold Becker) seine Neigungen nicht zu verleugnen“, desavouiert all jene Pädagogen, die, obwohl damals vor Ort oder der Odenwaldschule nahestehend, von sexuellen Übergriffen nichts gewusst, ja nicht einmal erahnt haben wollen. „Die Reformpädagogik“ als einheitliche Kategorie gibt es ohnedies nicht, aber es darf in der Öffentlichkeit nicht der Eindruck entstehen, als sanktioniere die Reformpädagogik sexuelle Beziehungen zwischen Pädagogen und den ihnen anvertrauten Kindern. Sexuelle Übergriffe im pädagogischen Raum sind ein Missbrauch: ein Missbrauch von Nähe und Abhängigkeit.

Prof. Gerheid Scheerer-Neumann,

Berlin-Wannsee

Jeglicher Missbrauch, ob er wissentlich geschieht oder in vermeintlich bester Absicht, ist für die Betroffenen eine schwere Lebenslast. Mir ist unbegreiflich, wie man dies durch irgendetwas rechtfertigen kann, und da ist es egal, ob es in einer reformpädagogischen Schule geschieht oder sonstwo. Herr Muschg vertritt eine Doppelmoral: Was den einen vorzuwerfen ist, ist bei den anderen gesund und befreiend.

Martina Graewe,

Berlin-Prenzlauer Berg

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