Leserbriefe : Israel darf nicht in Frage gestellt werden

-

„Worte wie Sprengstoff“

vom 15. Dezember 2005

Natürlich darf man dem Präsidenten Irans die Leugnung des Holocaust an den Juden nicht erlauben! Ihm nicht und niemandem. Da ich, Jahrgang 46, väterlicherseits und mütterlicherseits kaum Verwandte habe, weil der eine Jude und die andere Polin war, vor allem aber, weil mir scheint, dass da etwas überhört wird, gestatte ich mir folgende Bemerkung: Das „Palästinenserproblem“ haben nicht die damaligen Bewohner von Palästina verursacht, sondern hat die britische Mandatsmacht bis zum 15. Mai 1948 verursacht. Nicht alleine. Da waren, indem über Völkerschicksale entschieden und Weltprobleme kostengünstig entsorgt wurden, viele beteiligt. Fast alle europäischen Staaten inklusive Russland und auch die USA, Kanada, Australien, mit einem Wort: die halbe Welt.

Die Balfour-Deklaration, der Geschichte machende Brief von Arthur James Balfour vom November 1917, der den Weg für die Ansiedelung jüdischer Menschen in Palästina ermöglicht hat, politisch real gemacht hat: erstmals ein einigermaßen sicheres Gebiet für Juden ermöglicht hat seit den Mittelalter-Pogromen, diese völkerrechtlich so wirksame Erklärung hat keine Stimme von dort einbezogen, geschweige denn mitformulieren lassen. Was also soll von uns heute in Deutschland gehört werden? Zuerst realgeschichtlich, dass der Staat Israel in Palästina wegen des Holocaust und des Weltfriedens nicht in Frage gestellt werden darf. Dann aber auch, dass es eine weiterwirkende Pflicht gibt zu begreifen, dass der Staat Israel heute und in Palästina keine Selbstverständlichkeit ist.

Dr. Christof Tannert, Berlin-Buch

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben