Leserbriefe : Ist die Patenschaft für Knut Verschwendung öffentlicher Gelder?

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Sehr verehrte Frau Pleuger,

sehr verehrte Frau Weber,

Ihre Sorge um die Belastung des deutschen Steuerzahlers durch die Futtersubventionen für unser aller Knut, den mutterlosen Eisbären, steht Ihnen als aufmerksame Bürgerinnen dieses Staats wohl an. Darf ich Sie aber darauf aufmerksam machen, dass Sie mit Ihrem Protest ein kleines hilfloses Tierchen treffen, dessen Versorgungskosten in keinem Verhältnis zu denen stehen, die durch weit größere Tiere verursacht werden. Was sagen Sie zu den Geldern, die 3475 Pferde im Dienste von lediglich vierzehn Ministern verschlingen? Was zehrt mehr an unserem Staatshaushalt, ein kleiner, einzelner Knut oder diese abgasfördernden Rösser mit merkwürdigen Namen wie Audi oder Mercedes?

Und meine Damen, verachten Sie doch nicht die menschliche Wärme, die durch einen Eisbären in diesen kalten Regierungsapparat eingezogen ist. Selbst ein so kalküler Politiker wie Gabriel treibt mir die Träne ins Auge, wenn er neben Knut in die Kamera lächelt. Es sollte mehr Knutmenschen unter uns geben. Es sollten alle Ministerien einen kleinen Eisbären zugeteilt bekommen. Wir müssen ja auch bedenken, dass bei zunehmendem Polschmelzen Eisbären in ihren angestammten Wohngebieten nicht mehr lebensfähig sind, also lassen wir sie unter uns leben. Sie werden es uns danken, indem Sie Wärme in unseren politischen Alltag bringen und für einen positiven Klimawechsel sorgen. Frau Pleuger, Frau Weber, besiegen Sie Ihren Argwohn, blicken Sie nach vorne und denken Sie an die nächsten Wahlkämpfe, da brauchen wir jeden einzelnen Knut.

Dass kleine Eisbären auch größer werden können, gut, das weiß man, aber so weit vorausschauend ist Politik nicht. Seien Sie gut zu Knut!

Mit freundlichen Grüßen

„Eisbär Knut lebt jetzt auf Staatskosten“

vom 27. März

Es ist keine Frage, Artenschutz und Umweltschutz sind wichtig und kosten Geld, auch das des Steuerzahlers. Doch ist es hierfür notwendig und sinnvoll, dass ein Bundesminister Steuergelder dazu ausgibt, um sich in der Publicity eines Bärenbabys zu sonnen?

Der Bundesumweltminister Gabriel hat die Patenschaft für den kleinen Eisbären Knut im Berliner Zoo übernommen. Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn er dies als Privatperson getan hätte. Auch eine einmalige Spendenzahlung des Bundesumweltministeriums an den Berliner Zoo wäre wohl noch tragfähig gewesen. Die jetzt gefundene Lösung verschwendet jedoch Steuergelder in unbezifferter Höhe.

Laut oben genanntem Artikel zahlt das Bundesumweltministerium ein Jahr lang die gesamten „enormen“ Kosten für Knuts Futter und einen Teil der aufwändigen Pflege, obwohl es vielerlei Privatunternehmen gegeben hat, die diese Kosten stattdessen übernommen hätten. Die Patenschaft für Knut dürfte jedenfalls kaum zu den staatlichen Aufgaben des Bundesumweltministeriums zählen.

Dem Umweltministerium ist darüber hinaus noch nicht einmal bekannt, wie hoch diese Kosten sein werden. Man wolle jedenfalls „ganz bestimmt nicht knausrig sein“.

Für die Artenschutzkonferenz 2008 hätte das Bundesumweltministerium besser die gesamten freilebenden Eisbären auf dieser Erde wählen sollen, die tatsächlich vom Klimawandel hautnah betroffen sind und als Maskottchen noch nicht einmal einen Cent gekostet hätten.

Zum Schluss noch eine andere Frage: Wie verträgt sich die Tatsache, dass das Futter für Knut aus Übersee eingeflogen werden muss, mit dem Ziel der Bundesregierung, die CO2-Emissionen drastisch zu verringern?

Anke Pleuger,

Berlin-Schöneberg,

und Peggy Weber,

Hohen Neuendorf

— Dieter Hildebrandt, Kabarettist und Autor.

Am 3. Mai erscheint sein neues Buch „Nie wieder achtzig!“.

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