Leserbriefe : Ist die Rente sicher?

284332_0_18058419.jpg
Foto: Thilo Rückeis

„Rentenbeiträge sollen doch nicht sinken – wegen der Krise“ von Rainer Woratschka vom 26. Juni

Seit Jahren wird das umlagefinanzierte deutsche Rentensystem von allen möglichen Seiten schlechtgeredet, es bringe nicht genug Rendite, es sei nicht zu finanzieren, die heute jungen Menschen würden keine Rente mehr bekommen, usw. usw.

Es ist gut, dass endlich einmal eine namhafte Organisation die Vorteile des deutschen Rentensystems belegt. Die Nachteile einer Alterssicherung über kapitalgedeckte Systeme oder private Pensionsfonds treten gerade in der Wirtschaftskrise deutlich zutage: Die Verluste sind immens. Keiner weiß bei solchen Altersicherungssystemen letztlich, wie hoch sein Einkommen im Alter tatsächlich sein wird, ob es überhaupt reicht, den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Private Pensionsfonds in den OECD-Ländern haben laut der OECD-Studie im vergangenen Jahr 23 Prozent ihres Wertes bzw 5,4 Billionen US-Dollar verloren. Wer mit einem Alterseinkommen aus diesen Fonds gerechnet hat, muss also nun mit einem knappen Viertel weniger planen. So etwas mögen reiche Menschen verkraften können, der Durchschnittsbürger sicher nicht. Der gerät da im Alter mit5 seinem Einkommen rasch unters Existenzminimum - oder verliert im schlimmsten Fall sogar seine komplette Altersvorsorge. Insofern ist mir eine Rente wie die deutsche deutlich lieber, auch wenn sie auf die eingezahlten Beiträge umgerechnet eventuell niedriger ausfallen könnte als ein mit der gleichen Summe über private Vorsorge erreichter Rentenanspruch. Bei der privaten Vorsorge ist eben immer auch ein gewisser Glücksfaktor im Spiel. Bei der staatlichen Rente hingegen hat die Bundesregierung Kürzungen trotz der Wirtschaftskrise ausgeschlossen!

Katharina Strehlow,

Berlin-Lichterfelde

Sehr geehrte Frau Strehlow,

wie Sie richtig bemerken, hat die aktuelle Finanzkrise zu einer gewissen Ernüchterung bei denen geführt, die in der Vergangenheit einer Privatisierung der Alterssicherung und ihrer Finanzierung im Kapitaldeckungsverfahren das Wort geredet haben. Gerade in der Finanzkrise haben sich die Vorteile der gesetzlichen Rentenversicherung wieder deutlich gezeigt. Das hat jetzt auch die Studie der OECD bestätigt, die gerade dem deutschen Rentensystem Krisenfestigkeit bescheinigt.

Der wesentliche Grund für das hohe Maß an Stabilität liegt im Umlageverfahren zur Finanzierung der Renten: Die Beiträge der Versicherten und der Arbeitgeber dienen unmittelbar der Finanzierung der Renten. Nur die Rücklagen der Rentenversicherung, die dem Ausgleich bei Schwankungen der Beitragseinahmen sicherstellen, werden auf dem Kapitalmarkt angelegt. Bei der Anlage dieser Gelder kommt der Sicherheit die höchste Priorität zu. Deshalb sind die Mittel der Rentenversicherung ausschließlich bei Kreditinstituten angelegt, die einem inländischen Einlagensicherungssystem angehören.

Heute können Rentnerinnen und Rentner die Früchte ernten. Die Renten werden jeden Monat pünktlich bezahlt, circa 17 Milliarden Euro an mehr als 20 Millionen Rentnerinnen und Rentner. Außerdem werden Zuschüsse zur Krankenversicherung geleistet (rund 14 Milliarden Euro pro Jahr) und Maßnahmen der Rehabilitation durchgeführt (rund 4,8 Milliarden Euro pro Jahr).

Aber auch die, die heute die Beiträge zur Finanzierung dieser Renten leisten, können der gesetzlichen Rentenversicherung vertrauen. Je nach Familienstand und Geschlecht können sie mit einer positiven Beitragsrendite in Höhe von rund 2,5 bis 3,5 Prozent rechnen, wie der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und die Siftung Warentest bestätigt haben.

Sicherheit hat ihren Preis. Umgekehrt gilt aber auch: Höhere Rendite ist nur zu erzielen, wenn ein höheres Risiko in Kauf genommen wird. Und zu den Konsequenzen eines höheren Risikos haben Sie ja die Ergebnisse der OECD-Studie in ihrem Brief zitiert. Die Verluste der Pensionsfonds werden nun vor allem die älteren Arbeitnehmer treffen, die bald in den Ruhestand gehen wollen. Sie können nicht warten, bis sich die Finanzmärkte erholt haben, sondern sie müssen sich auf niedrigere Leistungen einstellen oder den Beginn des Ruhestands verschieben.

Auch die aktuelle Krise sollte aber nicht dazu verleiten, im Zusammenhang mit der privaten Alterssicherung „das Kind mit dem Bad auszuschütten“. Nicht zuletzt durch die vielfältigen politischen Maßnahmen wird die Krise eines – hoffentlich nicht allzu fernen – Tages überwunden sein. Das Problem, Alterssicherung für eine alternde Gesellschaft zu organisieren, wird aber bleiben.

Deshalb hat die Politik die Voraussetzungen für ergänzende Absicherung in der betrieblichen Altersversorgung und der privaten Vorsorge verbessert. Die Versicherten sollten – mit aller gebotenen Umsicht und Sorgfalt – diese Instrumente auch nutzen und ihre Altersvorsorge auf mehrere Säulen stellen.

Mit freundlichen Gruß

Ihr

— Dr. Herbert Rische, Präsident

der Deutschen Rentenversicherung Bund, Berlin

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben